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Die Drei Arischen Ringe ... Schluss - Gesamt Donnerstag, 24. Mai 2018

Die Drei Arischen Ringe … Erzählung … Gesamt: 1/2/3/4/5/6/7/8/9/10/11

(Dieser rohen Version folgt eine Überarbeitung in nächster Zeit, als auch die Buchform und im PDF Format)

Vorwort

Das Wort Aryan ist auf die Menschen anwendbar, die den Wert des Lebens kennen und deren Zivilisation auf spiritueller Erkenntnis gründet.
Zitat Bhagavat gita
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Als sie mich in der Stadt das erste mal ansprachen, da hatte ich keine Zeit und ich hielt die zwei Leute für eine Agenteneinheit der Zeugen Jehovas.

Als ich sie später wieder traf, da sprach ich sie an und ich hatte dazu Lust und Weile.

Es war irgendwas in die Richtung wie „seit ihr eine Marineabteilung zu Land“ oder so.

Es war ein Mann und eine Frau im mittleren alter, sie trugen beide an diesem Frühlingstag ein weiß leuchtendes gestärktes Hemd, die eine einseitige links Schulterklappe besaß.

Darauf befanden sich drei goldene Streifen und darunter im Zipfel des Kragens saß ein runder Knopf, er sah aus als sei er aus Glas, dieser hatte einen schwarzen äußeren Ring dann ein roter Ring und in der Mitte ein goldener Ring, im Zentrum saß ein sehr kleiner funkelnder Stein, der in allen Regenbogenfarben leuchtetet, sei er ebenfalls aus Glas oder sein Diamant.

Ich fragte sie ob sie mir etwas Jesus verkaufen möchten oder etwas Religion, da sie ja sicherlich die Guten in der Welt seien und ich somit das Böse?

Da lachten die Beiden lauthals, das ihre Tränen über die Wangen tropften, ohne das sie sich auch nur die Mühe machten diese ab zu wischen.

Der Mann sprach zu mir und die Frau folgte dem aufmerksam, sie konzentrierte sich auf mich, so stark das ich es spüren konntet:

„Wenn ich etwas Ihnen verkaufen möchte dann will ich auch eine Gegenleistung und zwar ihr gutes Geld, das würde ich auch von einem bösen Menschen nehmen. Ich opfere meine Zeit aus einem einfachen Grund, es ist das Opfer wert, ich würde ihnen gerne eine religiöse Erfahrung vermitteln oder ihnen zu mindestens eine Gelegenheit aufzeigen, wie sie diese auch bekommen können.“

Da lächelte die Frau in sich etwas sehr ausdrücklich hinein und ich erfuhr das die beiden sich sehr nah sein mussten, als die Frau dazu sprach:

„Niemand wird ihnen etwas predigen wollen denn jede Predigt ist unnötig und dient nicht dem wichtigsten, niemand wird ihnen etwas über Jesus oder sonst etwas von einem anderen Über erzählen, niemand wird sie zu quatschen.“

Ich fand die Beiden spannend aber ich kapierte noch immer nicht ihre Verkaufe und ich wollte nicht eher weggehen bis ich einen abgedroschenen Begriff im Kopf hatte, um mir meiner Meinung sicher zu sein.

Also fragte ich sie, um die Begegnung abzuschließen:

„Sie sind also keine Kirche und sie wollen mir keine Vorträge halten und sie wollen mir den tiefen religiösen Grund nicht verraten, warum sie einseitige Schulterklappen tragen?“

Da sprachen die Beiden völlig Synchron, ihre Stimmen waren in Harmonie zusammen aber in der Tonhöhe verschoben:

„Sehen sie diesen kleinen schönen Knopf in unserem Kragen? Das Schwarz Rot Gold hat einen Sinn und der kleine Diamant im inneren auch, wenn sie unsere Gemeinschaft besuchen dann wird man ihnen eine Vortrag halten der nicht länger als zwanzig Minuten geht, man wird ihnen unsere Grundlagen erklären aber keine Inhalte, und wenn sie gehen wird man ihnen diesen Knopf schenken, er gehört dann ihnen und sie haben ein Anrecht ohne Pflicht!“

Ich ärgerte mich, weil ich keinen Angriffspunkt fand und so schoss ich ihnen einen Satz entgegen um vor dessen Ende auf dem Absatz herum zu drehen um ihnen den Rücken zu zu wenden, um zu entschwinden, der perfekte Abgang eben!:

„Sie gehören wohl zu diesen Sekten, die ihre Kinder verstoßen wenn sie von ihrem glauben abfallen und gehen!“

Mein Gefühl war frei, als ich die ersten drei Schritte gemacht hatte und es wurde wagend und nagend als ich den fünften Schritt hinter mir hatte, denn die Beiden riefen in einer großen ruhigen Lautstärke einen kurzen Satz und wiederholten ihn drei mal.

„Dann feiern wir ihm ein Fest, jeder der geht bekommt ein Fest!“
„Dann feiern wir ihm ein Fest, jeder der geht bekommt ein Fest!“
„Dann feiern wir ihm ein Fest, jeder der geht bekommt ein Fest!“

Ich hatte da nicht die Kraft meinen gebeugten Stolz auf zu richten, ich ging mein Weg zu meinem Hause. Ich beschloss diesen Schwachsinn zu vergessen und spürte in den nächsten Tagen wie ich mich über diese Situation, vor Freunden immer wieder aufregte, weil ich von ihnen Zuspruch brauchte um mich aufzurichten. Ich schaute im Internet nach, und die einst schlaue Suchmaschine zeigte mir als erstes die Antwort ihrer Feinde, sie nannten sich arische Solarier.

Erst später erfuhr ich, aus einem der ältesten Büchern der Erde, das Arier keine Rasse sind, sondern Menschen die eine Gesellschaft auf spirituellen Fortschritt gründen und somit natürlich auch ihr Leben.

So gingen die Monate ins‘ Land, ein ewiger April mit seinen Launen. Ich tat das was alle taten und fand dabei nicht schlechtes, ich ging durch die Welt, während ich in einem weichen Sessel saß und durch eines der vierhundert Fenster schaute, einen Schalter in der Hand, um jederzeit weiter schalten zu können, was ich fast automatisch immer während tat.

Meine Welt wollte sterben und zelebriert dies in einer herzhaften Vielfalt. Invasoren besetzen derweil den Friedhof und wartenden auf die Futterausgabe. Eine satanische Religion schützt unser Grundgesetz, weil es schon lange nicht mehr der Grund ist. Alles ist gleich, sehr gleich und gleicher als gleich, selbst das Verschiedene ist gleich weil alles gleich zu sein hat. In Gleichen stirbt alles, was aus dem Nichts gekommen ist und sinnlos ins‘ Nichts zu wandern hat, den Wärmetod!

Dann geschah das erste Wunder, meine neue Lithiumbatterie in der Fernbedienung, die nach dem neusten Update nun sogar automatisch, aller 20 Sekunden einen neuen Kanal einstellt, diese Batterie explodierte in einer kräftig gelben Stichflamme, es könnte auch gelbgrün gewesen sein.

Meine Hand lag nicht in der Kraft dieses Gerätes und meine Flasche Bier konnte mir als Feuerlöscher dienen, die Zweite auch noch und die Dritte trank ich auf Ex aus, vor dem offenen Fenster, aus der Qualm abzog. Genau in diesem Augenblick fuhr ein Blitz aus heiterem dunklen Himmel hernieder und zertrümmerte genau zu Mitternacht, den alten Kanaldeckel, mitten auf der Straße, die in heftigen Wasserfluten versoff.

Da erkannte ich das ich durch ein wirkliches Fenster geschaut hatte, weil das das unwirkliche Fenster an dem Starkstrom, ohne jegliche Gegenwehr starb.

Leer war die Welt, als ich meinen großen Regenschirm aufspannte und ziellos durch über die Fußwege rutschte, meine Hosenbeine waren nass, so wie man durch die wirklichen Fenster der Anderen die Bildmaschinen flimmern sah.

Da sah ich ein Plakat, wie ein Mann mit nassen Hosenbeinen sich bückte, um diese sich hoch zu krempeln, darunter zwei Wörter – daneben ein QR Code, zum abfotografieren.

Was ich dann auch tat, Wunder zwei – das Gerät funktionierte.

Arische Solarier.

Nun so erfuhr ich, das AS jeden Sonntag, einen Tag der offen Tür haben, an dem man zu Trinken und zu Essen spendiert bekam und das alles nach einer kurzen Verkaufsveranstaltung.
Die Leoweinstraße kannte ich auch nicht und eine Hausnummer stand da auch nicht dabei.

In der heutigen Zeit war fast jede Plakatwand aus einer dünnen Folie gefertigt und konnte wie ein riesiger Flachbildschirm funktionieren, glücklicher Weise war der Ton noch verboten als auch die Filmlänge noch begrenzt.

So begann ich mein defektes Gerät nicht mehr zu vermissen und warf es schließlich in den Müll.
Ich las mal wieder ein Buch oder ging eben Schauspazieren. Die Kollegen, die ich ein oder zweimal die Woche bei meinem Arbeitgeber, oder besser gesagt meinem Arbeiterfinder traf, sprachen von einem ganz großen Projekt, das wir dann jede Menge zu tun hätten, fast wie früher. Es drohte eine zwanzig Stundenwoche zu werden.
Es gab einmal eine Zeit, da hätte jeder sagen können welchen Beruf er hat oder welche Tätigkeiten er ausführte, was sollte ich aber zu meinen nicht vorhandenen Freunden sagen?
Warum quatsche ich nicht einfach meine nicht vorhandene Frau zu, warum auch, dafür ist ja nun schließlich die Künstliche geduldige Intelligenz da?
Diese ganz große Projekt ermöglichte mir bald eine größere Anschaffung, ich wusste nur das darum ging, wildfremde Leute auszufragen. Ich würde mich deshalb Trainer nennen wollen, aber das was ich trainierte, kapierte ich nicht im ganzen Ausmaß, sonst hätte ich sogar Überstunden.

Am Sonntag startete ich meinen Roller, ein echter Benziner, da musste mein Nachbar, der wie auf Kommando aus dem Fenster schaute, laut und kräftig vor allem ausdauernd Husten.
Dies sollte nichts anderes bedeuten, als da ich ein mieser Kerl bin der Giftgas verbreitetet.

Es ist einfach schön den teuren Sprit im Sonnenwetter, bei angenehmer Temperatur zu verfahren, auch wenn ich viel zu früh in die Leoweinstraße einbog, die durch ein Polizeiwagen versperrt wurde. Da die Insassen anscheinend Frühstückten fuhr ich vorbei. Es ist ein Gewerbegebiet mit gleichartigen grauen Hallen, deren Flachdächer begrünt einen Garten Vorgaugelten.

Ein mehrteiliges weißes haus, kein besonderer Bau aber geräumig, heraus schaute eine art Schornstein, wäre richtig schräg wenn der auch noch rauchen könnte. Ich denke die Polizei würde mit quietschenden Reifen herankommen und noch in der Fahrt ihr Präzisionsfeuer eröffnen.

Ich war nicht der Einzige der vor der großen Holztür stand, davor lief eine art Wache auf und ab, in der Hand balancierte er ziemlich elegant einen langen Stock.
Auf dem Parkplatz war genug Platz und genau in dem Augenblick als ich meinen Roller auf den Seitenständer stellte, hielt ein großer Kastenwagen neben mir.
Ein Mann stieg aus, ein kräftiger großer Typ, sein wohl langer Bart, hatte er irgendwie zu einer Rolle gefönt, die kurz unter seinem vermutlichen Kinn sich nach außen rollte.

Er öffnete die seine Heckklappe und holte zwei Bierkisten ohne Inhalt heraus, die mit Klebeband fest verbunden zu sein schienen. In der anderen Hand hielt eine Klappleiter, ohne seine Tür zu schließen ging er einige Meter vor die geschlossene Holztür, wo dahinter die Kirche der Solarier sein sollte. Er stellte sein Podest auf den Fußweg, stellte seine Leiter daneben, kletterte hinauf und hielt sich mit einer Hand an seiner Klappleiter fest. Er schwieg und blickte in die Ferne, als von dort der Polizeiwagen herangesurrt kam, Türen knallten, die Polizisten lehnten sich gegen ihren Wagen.

So gut 30 Bürger hatten sich um diese seltsame Szene versammelt, es war ja auch sonst in dieser Einöde nichts los, nicht einmal Werbetafeln gab es.

Da donnerte seine Stimme, mit einer zitterlichen Urkraft sich empor. Tiefe Töne, wie aus einem aufgestapelten Wasserohr:

„So verkünde ich Euch, die Religion aller Religionen, wenn die Heerscharen durch diese Stadt marschieren. Einst führte der große Führer in seiner weitsichtiger Führerschaft, die Besten der besten in die jenseitige Welt, dort wählte er sich die Elite aus, seine Sechmillionensechshundertsechundsechzigtausensechshuntertundert und sechzig Krieger, diese Mannen waren einst Getreue und Opfer, sie waren Mütter und Kinder in den Kellern, sie waren gefangene Soldaten, sie waren die Starken in den Lagern. In seiner jenseitigen Weisheit ist er bereit zu kommen, er wird als gefiederter schwarzer Engel in der amerikanischen Stadt der letzten Engel landen und von dort aus, Heim in sein Reich ziehen, ich aber verkünde, schließt euch an, tötet so viele wie ihr könnt und erst zum bitteren Ende, dem wahrhaften Anfang euch selbst. Ihr seit dann der Herr über eure Truppen, also …

Der mann stolperte nach vorn, weil die Wache vom Tor ihm seinen Stock in den Rücken geworfen hatte, wie einen Speer, so schnell, da krachte er auf seine Kinnrolle und die Polizisten stolperten nach ihm, anscheinend um den schweren Mann aufzufangen und sie machten Fotos von seinem zerschrammte Gesicht, nahmen der Wache seinen Stab weg, und prügelten mit einem Gummistock auf sein Bein. Er stürzte, sie legten ihm Handschellen an, so fuhren sie fort.

Der Hüne stand wieder auf und hob seine Faust, er schaute zur Kirchentür, wo erneut eine Wache stand, dieser hielt seine Waffe so, das es eine völlige Klarheit darüber gab, was gleich geschehen würde. Der Mann wischte sich sein Blut aus den Augen, stieg erneut auf seine Kiste, die er zuvor mit viel Geduld und langsam wieder aufgestellt hatte, ebenso wie seine Leiter.

Er sprach: „Der große Führer der Engelscharen ist auf dem Weg, seine Name ist Ado Hi Hei!“

Dann sprang er herab, griff sich seine Utensilien, warf sie in seinen Kastenwagen und fuhr mit qualmenden Reifen davon. Ich dachte aber derweil immer noch über diese lange Zahl nach und ob es diese Zahl wohl gibt oder ob ich sie falsch verstanden hatte. Das mit der Sekte der Arier der Solarier hatte sich für mich zu diesem Zeitpunkt erledigt, doch genau in diesem Augenblick wurden die Flügel der Holztüre geöffnet und meine Neugier obsiegte.

Ich fühlte mich als ob ich eine Hotellobby betreten würde. Der Raum war mit dicken Teppichen ausgelegt die Dunkelgrün meinen Füßen einen angenehmen Halt gaben. Eine Holzgetäfelte Bar, eine Rezeption, die von zwei blonden Frauen besetzt war, diese unterhielten sich angeregt, ihre weißen Hemden strahlten unter den versteckten Lampen, sie hatten ihr langes Haar über ihre rechte Schulter und auf ihrer Linken glänzten zwei goldene Streifen und es funkelte ihr Kragenknopf.

Die Halle war recht hoch, in gedämpften Lischt getaucht, wobei die Wände Lehmfarben schimmerten. Es hatte eine Ähnlichkeit mit einem Gotischen Bau, wobei sich der Raum aber an den Seiten verjüngte und die decke deutlich niedriger wurde, er krümmte sich in einem leichten Bogen aus meinem Blickfeld. Eine sehr angenehme warm weiche Atmosphäre drang in mich ein, viele Sessel, die in Gruppen standen, meist mit einem kleinen Tisch davor, auf dem wohl flache Tabletts lagen. In einem der breiteren Sesseln lag man Chef, er hatte sich lang gemacht und las, es sah von weitem aus, als ob er durch eine spiegelnde Glasscheibe schaute. Da hob er seinen Blick und fixierte mich und ohne eine Begrüßung oder ein Nicken, senkte er wieder seinen Kopf, er wollte mich wohl hier nicht kennen?

Der dicke dichte Teppich verschluckte die Geräusche, denn ich erschrak als ich sie erst an ihren Duft erkannte, eine der Rezeptionistinnen stand neben mir und fragte mich mit einem zauberhaften Lächeln:

„ Mein Herr, wenn es ihnen hier so sehr gefällt dann kommen sie doch wieder, wann sie wollen, ab morgen dürfen sie das ohne Einschränkung tun, Getränke oder zu essen bringe ich ihnen selbstverständlich an ihren Platz den sie sich wählen, von dort können sie mich auch anrufen, auch nur wenn sie etwas Zeit mit mir verbringen wollen. Doch nun beginnt das Kurzseminar, alles ohne Kosten, ohne Gegenleistung und ohne Bettelei.“

Der Rausch in mir lies es einfach so geschehen, das sie meine Hand fasste und mich wie ein kleines Kind zur Holztäfelung neben der Bar führte, dort schnappte automatisch eine kleine Tür auf, gut 30 Leute saßen schon in ihren Sitzen, in Halbkreisen, vor einer leicht erhöhten Bühne, vielleicht zwei Treppen hoch.

Das zerstreute Licht von der Decke ging aus, es war einige Sekunden schwarz wie die Nacht und auf der Bühne stand ein Mann, ein alter Mann, weiße Haare, eine goldene Brille tief auf seiner Nase, er stand locker, er lachte ganz im stillen in sich hinein und genoss die Spannung die er damit erzeugte als er sprach:

„Willkommen und Dank an den großen Zufall, das ihr liebes, sehr geehrtes Publikum, hier sein könnt und uns den Arier der Solarier eure seit schenkt.“

Dieser eine Satz und dieser gekonnte Auftritt hat schon gereicht, das es kräftigen Beifall gab, dieser Mensch hatte etwas, er hatte Ausstrahlung, er hatte Charisma ohne Affektiert zu wirken.

„Wir Arier sind natürlich keine Rasse, wir Arier sind eine freiwillige Gemeinschaft, die beschlossen haben in der Spiritualität eine größere Gemeinschaft zu schaffen. Die ganze Zugangsbedingung zu uns, die haben sie alle schon erreicht, indem sie hier sind. Am Ende wenn wir sie verabschieden um sie jederzeit willkommen zu heißen, übergeben wir ihnen eine Knopf, den immer tragen können wenn sie wollen, den sie aber tragen sollen wenn sie zu uns kommen, denn sie sind ein Teil von uns.“

Im Hintergrund poppte das Zeichen übergroß auf, selbst der kleine Diamant funkelte perfekt und verführerisch.

Hier sehen sie die drei Kreise, Rot, Schwarz, Gold und das Licht. Sie befinden sich Alle im ersten Kreis, in dem sie das Recht haben vom Innersten teilzuhaben. Sie dürfen hier Nehmen ohne zu Geben. Sie können Kommen oder Wegbleiben.
Wir haben drei heilige Bücher, die sie lesen mögen oder auch nicht.
Das erste Buch ist das Buch: Es nennt sich Thomas Evangelium, weil wir diesem Buch aber zwei kleine Zusätze hinzugefügt haben, hat es einen neuen Namen:
Das Evangelium des Judas.
Der erste Zusatz ein Mantra, der Name Gottes, ein dreiteiliger Name an eine dreiteilige Entität. Am Ende des Buches, es ist sehr klein, steht nur ein Wort: „Bhagavad Gita“ – Der Gesang des Erhabenen. Dieses Werk ist die Zusammenfassung der heiligsten Schriften auf diesem Planeten, den Veden. Das dritte und wichtigste Buch, das schreiben wir selbst und immerfort. Sie schreiben mit ihrer Personalzahl, ihre Erfahrung auf. Wie lang sie dies auch möchten, dabei wird jedes Wort mit allen anderen Erfahrungen verbunden, die ein gleiches Wort benutzen. Sie können in diesem Werk also bis in alle Ende ihrer Tage surfen, sich also in freier Assoziation bewegen oder sich in jede beliebige Erfahrung vertiefen.“

Ich merkte nicht wie die Minuten dahin rennen, in mir war ein Gedanke eingepflanzt, etwas Neues, eine abenteuerliche Vorstellung, die ich erst später würde greifen können.

Im Zweiten Kreis gilt das Nehmen und Geben, wobei sie mehr der Gemeinschaft geben, ein wenig mehr als sie bekommen. Dies ist Arbeit, Geld, Mühe, Aufmerksamkeit und vor allem Zeit!
Da werden sie die heilige Halle betreten, nach dem sie sich vorbereitet haben.
Sie werden sie allerdings nie Alleine betreten. Sie werden den strikten Gebot der Predigt unterworfen sein, alles was sie predigen wollen, predigen sie in das heilige Buch, dort gehört es hin und nur dort! Es gibt nur ein Buch in das sie schreiben können, die Anderen sind dafür nicht geeignet. Wer den zweiten Ring verlassen will, den machen wir ein Fest, er behält seinen Knopf.“

Ein kräftiges Räuspern im Saal.

„Alles was sie über den dritten Ring wissen wollen, erfahren sie wenn sie im zweiten Ring sind. Sie können anschließend kurz in die heilige Halle hineinhören, doch ich spreche eine Warnung aus: Schweigen sie unbedingt, können sie dies nicht so heben sie die Hand und wir brechen ab. Wer die Handlung stört wird es spüren, der kräftige Mann wird sie mit seinem Stock schlagen, ohne zu zögern. Ich will hier auch gleich eine zweite Warnung aussprechen: Agenden, Spione, Journalisten Analysten oder wer auch immer nicht den Weg gehen will. Dieser wird sich selbst in höchste Gefahr bringen ohne das wir wissen wer er ist!“

„Haben sie noch Fragen, der Vortrag ist beendet?“

Ein kleiner Mann hinter mir, der sein Räuspern nicht lassen konnte fragt nach dem Vorfall vor der Tür.

„Er gehörte einst zu Uns, er ist Uns zu Schaden, weil er Dinge predigt die er nicht predigen soll, er ist ein Teufel und hat sich selbst gesehen, er hat alle unsere Hilfe abgelehnt, Sie werden morgen in der Zeitung lesen das wir von Drogengeld finanziert werden oder was auch immer. Die Wache hat nicht nach Befehl gehandelt, es war die Entscheidung des Mannes, er wurde im Schnellverfahren zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Er hätte nicht dahin gehen müssen wenn er nicht geschwiegen hätte. Doch nun nimmt er dort seinen Dienst auf.“

Der kleine Mann fragt nach, … „ist das was der Mann sprach euer wahrer Glauben?“

„Wir glauben nicht, wir sammeln Erfahrungen die zu Gewissheit werden, jeder von euch kann dies nachlesen, nur nicht heute!“

Das Licht ging wieder an, einige Leute sprachen sofort die anderen Leute an, in ihnen tobte die Information. Wir gingen in einer langen Schlange in die Biegung des Raumes, wo der Flur immer enger wurde und die Deckenhöhe schon fast unsere Köpfe erreichte. Eine kleine aber sehr schwere Tür öffnete sich ohne zu knarzen, es könnte schwere Eiche sein. Ein leerer Raum, so fünf mal zehn Meter. Wir sollten uns alle mit dem Rücken zur Wand stellen, es dauerte eine Weile bis sich alle sortiert hatten. Nur eine der schmalen Seite blieb frei, dort stand ein Tisch aus Stein, darauf brannte eine Kerze. In der Mitte des Raumes stand ein dünner Mann, in seiner Hand ein etwas zwei Meter langer Bambusstock. Er legte den Finger auf seine Lippen und Alle verstummten sofort.
Dann drehte er sich langsam im Kreis und schaute jeden in seine Augen und verweilte eine Sekunde, dies dauerte deshalb recht lang. Das Licht löschte sich aus. Im Schatten öffnete er eine Tür, die man aber nicht sah. Ein tiefer Schwall durchströmte den Raum, Weihrauch und ein klarer Klang, wie eine Glocke aber keine Schläge. Ein Chor der nicht singen wollte, brach wie ein Donner hervor, es waren die tiefen Gefühle der Einzelnen die man nicht unterscheiden konnte. Man hörte eine Schwingung aus Hare und Rama und Krisna. Es packte mich, was geschah hier, wie Kraftvoll, wie Geordnet und dennoch Durcheinander, der stehende Ton der dunkle Schall, die starke Resonanz … die …

Die Tür wurde hart geschlossen, man hörte den Luftdruck, das Licht blendete, der junge Kerl einige Meter weiter und seine Freundin schrien schrill … der Mönch hatte die Hand auf seinem Mund und zeigt auf die Beiden, dann pfiff sein Schläger über die Kerzenflamme die sofort verlöschte, er sprang in die Mitte des Raumes, der Kerl schrie auf und sein „Antifaschista … Antifaschista“ verstummte, weil er wie von Blitz gefällt zu Boden stürzte, er war tot oder in Ohnmacht.
Der Frau steckte er seinen Bambus in den Mund, ihre aufgerissenen Augen glaubten nicht was gerade geschah, ihre Todesangst war so real wie ihr zuckender Freund am Boden.

Wir wurden aus dem Raum geführt und aus der Kirche. Als wir die Kirche verließen gab uns der weishaarige alte Mann eine kleine Schachtel in die Hand, einige von uns warfen sie demonstrativ in hohen Bogen weg. Die Frau von der Rezeption lief mit gebeugten Kopf und suchte diese Teile wieder zusammen. Der Mönch stieg als Beifahrer in ein Auto ein, wie man sagte fuhren sie zur Polizei um eine Selbstanzeige zu machen.

Was ich nächsten Tag im Regionalteil lesen konnte, hatte zweimal nichts mit der Geschichte zu tun, die ich gesehen hatte. Jedenfalls wurde der Mönch, oder was er auch immer war, zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteil. Erst viel später konnte ich die Dummheit der Behörden wirklich begreifen und erst viel später konnte ich die Schlauheit, dessen was sie ersetzen würde er verstehen lernen.

Der Montag war wie meist Bürotag, ich hatte gerade die Kopfhörer aufgesetzt um fremde Leute auszufragen, als mein Chef herein kommt und mir zuwinkte. Ich dachte das er mir etwas sagen wollte in seinem kleinen Büro, nein er ging zum Fahrstuhl und schwieg bedeutungsvoll und so stiegen wir in der obersten Etage aus. Dies war wohl das eigentliche Büro, mit einem Blick über die Stadt, mit einer Sofaecke und einer großen Alkoholbar, aus der er sich sofort bedient. Er gab mir das Gefühl das ich aufgestiegen sei, stellte mir ein Glas auf den Tisch und sprach:

„Mensch, was sind sie denn für einer? Da treffe ich sie gestern bei den Solariern, ich sah sofort das dass sie da nicht zufällig vorbei kamen. Ich brauche jemand sehr dringend, der da eindringt, wenigstens in den zweiten Ring, wir brauchen Informationen ohne Ende!“

Ich nahm einen Schluck von der braunen Flüssigkeit, es war Whisky, bestimmt ein Whisky der hundert Jahre alt war und mit einem Schiff am Grund des Meeres gelegen hatte, ein Segler dessen Kapitän wohl zu viel davon, vom Engelsdunst probiert hatte?

„Nun ja“ Antworte ich: Der Whisky schmeckt wie 100 Jahre gereift aber ich verstehe leider nicht was sie von mir wünschen, obwohl ich ihnen gerne …“
„Herr Max“ nickte mir mein Chef zu und sprach mich tatsächlich mit meinem Namen an:

„Herr Max, ich will offen mit ihnen reden, ich sage ihnen was wir hier machen, etwas ganz großes! Irgendwo bei Coburg stehen drei Frauen und kopieren Gesetzestexte aller art in die digitale Welt, sie glauben gar nicht was die Politheinis da oben alle so fabriziert haben, das kann kein Gericht oder kein Anwalt der Welt im Kopf haben. Die bekommen in den nächsten Tagen noch Verstärkung. All diese Dateien senden sie in eine meiner Abteilungen, dort futtert eine nette kleine künstliche Intelligenz den ganzen kram, verdaut das Zeug und scheißt ganz kleine Perlen aus, der Rest geht in den Abfall. Die gesamte Gesetzeswelt wird reduziert auf immer weniger Regeln, die sich nicht widersprechen, die sich ergänzen und gegenseitig fördern. Ein genialer Guss! Mein Job ist darin irgendwelche Fehler zu finden und zu staunen. Die Welt wird sich völlig ändern. Irgendwann in der nächsten Zeit, viel schneller als gedacht, werden die da Oben einen Nachtsitzung machen und mit einem Schlag die Rechtswelt automatisieren. Ich ziehe das natürlich noch eine Weile hinaus, man muss ja von etwas noch leben können, dennoch ist diese Sache schon gegessen, von nun an kümmern wir uns um das neue Projekt!“

Nun der Mann kommt der Sache schon irgendwie näher, ich sollte also in nächster Zukunft keine größeren Ausgaben planen aber was wollte er von mir?

Mein Chef lehnt sich zurück, er lächelt mich an und sucht in mir eine Reaktion, er geht wahrscheinlich von völlig falschen Voraussetzungen aus als er mich direkt fragte:

„Sie arbeiten doch noch auf meiner Ebene?“

Ich nickte mit meinen Kopf, trank den Rest aus dem Glas, was sofort wieder gefüllt wurde, keine Ahnung wo ich jetzt gelandet war?

Meine Unsicherheit deutete er wohl Seitenverkehrt als er noch weiter ausholte:

„Wenn sie das mit den Ariern hinbekommen dann sind sie mein Mann, Überstunden sind kein Problem, schreiben sie nur was sie wollen, ihre Tätigkeit macht jemand anderes. Ich habe bald gewaltige Rechenkapazitäten frei und aknn damit machen was ich will. Ich baue das SoziScore System auf. Ich habe die trainierte KI und ich brauche dazu gute Leute. Sie sind einer der wenigen die sich ihre Personalnummer schon geholt haben, dreimal drei Zahlen und dreimal drei Buchstaben. Lasst die Leute dagegen doch auf dem Marktplatz demonstrieren, die Gutmenschen haben den Krieg gewonnen und nun gewinnen wir gegen die Gutmenschen. Ohne diese Nummer kein Internet, kein Fernsehen, kein Bankkonto, kein gar nichts.
Der SoziScore ist eigentlich eine Zahl die sich jede Minute verändert, ihre Mitmenschen werden sie bewerten, sie sind nützlich für die Gesellschaft dann bekommen sie mehr und im Gegenteil bekommen sie weniger. Sie zahlen keine Geldstrafen sie zahlen nur noch mit Soziscor und sie können ihre Punkte zu Geld machen. Haben sie genug ist alle gut, haben sie zu wenig ist alles mies. Ihre Wohnungsgröße, ihre Reisen, alles wird in Zukunft daran festgemacht.
Haben sie ein AAA auf der Plakette oder ein EEE, wenn sie ein 000 haben dann leben sie hinter festen Mauern, was denken sie was sie dann dort tun werden?
Arbeiten? Was denn?
Sie werden Sozialarbeit an sich selbst leisten oder auch nicht, niemand zwingt sie zu irgendetwas. Die Leute werden denken das sie den Algorithmus durchschauen können, nur wird er stetig optimiert. Es geht schwer herunter und leichter wieder hinauf, wer oben ist muss arbeiten. Nicht mehr die Geldkatze bestimmt wer du bist sondern ein Spiel, ein mächtiges KI Spiel.“

Ich antwortet ihm:

„Ich habe da eine Idee, sie brauchen außergewöhnliche Menschen, diese sind sehr schwer zu finden, nur diese können eine Gesellschaft erhalten oder voranbringen, gleichzeitig erzeugen sie aber Mittelmaß, Gleichheit, Gemütlichkeit und Eitelkeit. Alles was dem Ganzen nutzt, muss der KI mehr nutzen, nur so bringt es die notwendige Stabilität? Sind es dann 33 Kasten, das alte indische System, nur modernisiert? … Wer wird aber darin Reich und Mächtig sein?“

Da springt der Mann auf, er stürzt auf mich zu, nimmt die Gläser und macht sie Randvoll, er tanzt, er glaubt einen gleich Gesinnten gefunden zu haben, dieser kleine Kerl macht eine Revolution, nur weil die Arbeit seiner KI besser kapiert als diese Horden von Fachleuten, die in ihren Fächern sitzen, in ihren von innen verschließbaren Fächern. Er hat Leute in der Macht die diesen Cup machen werden und können. Aber alles steht und fällt mit den Umsetzern auf seiner Ebene.

Wir trinken und er verträgt.

„Stell dir mal vor, wer mich in diese Geschichte hineingezogen hat, ein alter Freund, der ist Architekt. Dieser Mann hatte großes Unglück in seinem Leben, seine beiden 7 Jährigen Zwillingsmädchen wurden entführt und tauchten nie wieder auf. Seine Frau lief ihm fort. Er lebte ein Jahr in einem Krankenhaus. Er will in seinem Leben das schönste Gefängnis planen, was ein menschlicher Geist sich ausdenken kann. Diese werden dann Dezentral über das ganze Land gebaut, jeder hat eine Einzelzelle, einen separaten Waschraum, ein Internetanschluss, alle Geräte, der kann spazieren gehen wenn er will, er kann seine Mithäftlinge besuchen am Tag, er bekommt gutes Essen, nur wird er nie arbeiten. Jeden Tag wenn er früh aufsteht sieht er eine Zahl auf seinen Bildschirm, er beginnt bei 000. Alles was er macht oder was er nicht macht, hat seinen Einfluss, dieser Häftling ist frei wenn er ein EEE erreicht hat. Natürlich mögen das viele dieser Leute nicht, deshalb und dies ist seine eigentliche Lust, baut er das hässlichste Gefängnis der Welt, fast ohne Wachpersonal, Glas und Stahl und Beton und Roboter. Auch da hat jeder seine Einzelzelle, ohne Kontakte, ohne Briefe, ohne Besuch, wie ein wildes Tier verwahrt. Wenn sich eine rumbringen will, keiner hält ich davon ab. Wenn einer seine Scheiße gegen die Teflonwände wirft, der Roboter kommt und strahlt die Zelle mit Wasser ab. Aber selbst da kann man aufsteigen, jede Etage höher wird die Zelle ein klein wenig besser. Es gibt kein Geld, keine Zigaretten, kein Kaffee, keine Zeitung keine Bücher. Aber es gibt die Hoffnung eine Etage höher zu kommen denn dort werden immer mal Zellen wieder frei. Ganz oben auf dem Dach, sind es kleine schicke Penthouses und jede Zeit kann es wieder herunter gehen, aber dort lebt man schick und von dort geht es in das richtige Leben, den netten Knast. Alles wird nicht durch Menschen kontrolliert, die kann man täuschen, alles wird durch die gleiche SoziScore KI gesteuert. Niemand kann sich einfach nur anpassen, das heißt auch täuschen, niemand kann seine Beziehungen spielen lassen. Man wird im pawlowschen Sinne konditioniert. Drinnen wie Draußen, das gleiche dynamische Spiel. … Wir sind da aber ganz vorn und deshalb weil ich diesem mann seine lust erfüllen darf, kann ich tun was ich tun kann, einfach weil ich es kann. Tun wir es nicht dann wird es ein anderes Team machen, ob sie es besser machen, das wäre dann die Frage?“

Dann schliefen wir ein, mitten in der Nacht wachte ich auf und torkelte nach Hause, den Roller getraute ich mir nicht zu nehmen aber ich nahm mir am nächsten Tag selbst Frei. Dies war auch mein Test, ob das Ding war wie es schien!

Ich rollerte zur Kirche, doch am Eingang der Straße stand eine riesiges Stahltor, davor eine ernst aussehender Wachmann. Ich zeigte ihm mein Knopf, er nickte und verlangte auch noch meine Personennummer. Ich konnte sie ihm auswendig sagen, das genügt ihm. Er trat zurück, das Tor schwebte einige Meter zur Seite und hinter mir wieder zu. Hatten die jetzt das ganze Industriegebiet einfach mal so gekauft dachte ich? Der Parkplatz war nur halb voll, die große Türe zur Kirche war geschlossen. Als ich näher kam öffnete sich eine kleine Seitentüre, eine Feuerschutzstahltür, mit einem metallischen Geräusch. Die Frau an der Rezeption winkte mir flüchtig zu und ich zog mich in die hinteren Sesselreihen zurück. Als ich diese Ruhe genoss kam ich ins’ nachdenken.
Was mache ich hier und was sollte mein Auftrag sein? Geht es mir um meinen Job?
Meine stille Sehnsucht, meine Einsamkeit?
Ich nahm die farbige leichte Plexiglasscheibe vom Tisch, ich tippte meine Nummer in das Fenster und ich war im System. Ich las einfach und wunderte ich, was die Leute dort berichteten. Völlig verrückte Spinner, Gespräche mit Gott höchst persönlich. Einsichten, die Abläufe in der heilige Halle, sie wollten ihre Kirche nicht Kirche genannt wissen.
Da gab es Technologen die mit Ingenieuren im Jenseits, technische Konferenzen abhielten um Kommunikationssysteme zu entwickeln. Ein Wissenschaftler zapfte irgendeinen ominösen Wissensspeicher an, er entwickelte Formeln zu verschiedenen Chemischen Gruppen. Einer der Gruppen entwickelte Medizinprodukte, eine andere eine Superdroge, die sie Blue Sky nannten. Wirres Zeug, ein Treffen mit einem General einer Armee die im Jenseits operierte.
Jesus und Krisna waren da ein Dauerthema.

Für einen Schriftsteller ein unbezahlbare Materialsammlung, aber was hatte dies mit mir zu tun?
Ich tippte durch die Wörter, ein Wort ein neuer Text, im Text viele Wörter und wieder ein Wort und schon stand da: Ein Blitz der meine Hosenbeine hochkrempelte, ein Weg der einfach so da war um ihn zu beschreiten!

Da machte ich eine Pause und wollte zurück fahren, ich werde meinem Boss die Wahrheit sagen, das ich keine Ahnung von har nichts hatte und auch nicht in geheimer Mission unterwegs, soll er seine SoziScore doch alleine machen. Ich nahm das Telefon und fragte ob ich etwas zu trinken und zu essen haben kann, eine Schwarzhaarige brachte mir Tee mit Keksen, die sehr sättigen, so sagte sie. Ich fragte sie ob die Blonde vom Sonntag denn da sein? Sie lächelte und bedeutete mir einfach zu warten.

Ich war wohl eingeschlafen, als ich ihren Duft und etwas weiches auf meiner Hose wahrnahm, ich öffnete die Augen, da lächelte sie und auf meiner Hose lag ein weißes Hemd.

Sie sprach zu mir:

„Die Größe dürfte passen? Ziehe es doch gleich an! Willst du in den zweiten Ring kommen, dann ist es eine Nehmen und Geben, außerdem wirst du mich häufiger sehen, falls du es willst, ich wäre dann dein Mentor, Vorträge und Predigen gibt es nicht!“

Ich wurde auf einmal sehr nervös, als ich meinen Pulli auszog, ich fühlte mich völlig Nackt dabei, sie lächelte nur, sie machte meinen Knopf ab und befestigte diesen an dem Hemd, einem gestärkten festen Hemd. Es hatte eine leere Achselklappe, es verwandelte mich.
Sie manipulieren mich sicherlich?

Ohne Absicht hatte den letzten gedachten Satz auch noch laut ausgesprochen, sie nickte und antwortete:

„Das tun wir doch Alle und Immer, nur merken es die Einen und die Anderen nicht!“

Sie legte mir eine kleine Landkarte auf den Tisch und fragte:

„Rollen wir dahin, hast du Zeit für wichtiges?“

Ich hätte nie gedacht das sie ganz zufällig einen Sicherheitshelm an der Bar liegen hatte, wie der Wachmann diesmal das Tor öffnete, er legte seine Hand ganz militärisch an seine Mütze zur Ehrbezeugung. Dann genoss ich die Fahrt. Ich war noch nie mit einer Frau gefahren, gut sie war schwerer als es aussah, sie hatte ihre Hände fest an meinen Hüften, ich rollerte durch die Kurven, raus aus der Stadt, an einem Fluss entlang, feucht kalte Winde, durch einige hügelige Berge, durch einen Wald, in dem es nach Harz roch, sie hatte mich!

Ich stellte schweigend die Maschine ab, sie lief den Weg langsam voraus, als ich dummer Hund sie fragen musste:

„Was passiert wenn ich mich in meine Mentorin verliebe?“

Sie nahm meine Hand und sprach:

„Dann schließt sie nur dein Herz auf!“

Wir kamen durch einen Waldweg, über eine Wiese auf der Schafe weideten, wieder in den Wald und schließlich an einen Felsen, mit einer Aussicht, tief unten ein reißender Fluss, ein unglaublich weiche alte Holzbank, so saßen wir da!

Ihr Blick war sehr konzentriert, in den Abgrund gerichtet, dann schwenkte sie um, direkt in meine Augen und fragte mich:

„Was willst du von Uns? Was willst du Uns geben? Bist du ein Spion? Ein Agent von SoziScore?
Was willst du in deinem Leben verändern, grundsätzlich verändern, was willst du wissen, was willst du für dich selbst herausfinden, warum verliebst du dich in die erst beste Frau, die dich wahrnimmt?“

Ich hatte das Gefühl zu Heulen oder mich dem Felsen herab zu stürzen, vielleicht sollte ich es auch tun? Leere im Kopf, aufspringen zum Roller rennen und sie einfach hier lassen, da verspürte ich ihre warme Hand auf meiner Schulter und ich schwieg, in mich vergraben!

Mein Gesicht in Stein gehauen, ein Gotteswunder ließ aus diesem Stein Wasserperlchen rinnen, aus angedeuteten Augen!

Sie schaute mich an und ich fragte sie wie sie heißt. Ich hatte eine Eva neben mir sitzen, hier gibt es wohl keine Klarnamen, dennoch versuchte ich es mit der Wahrheit:

„Mich führte eine Inspiration zu Euch! Was ich Euch geben kann, wie kann ich das wissen, es hängt davon ab was Ihr braucht. Ja, ich soll spionieren, mein Chef hockte bei Euch herum und erkannte mich. Es hat etwas mit dem Projekt SoziScore zu tun, nur habe ich keine Ahnung was.
Ich will etwas großes in meinem Leben fühlen können, klar will ich Gott treffen und meine Erfahrungen mit Frauen sind eben bescheiden!“

Eva schaute mich mit großen ruhigen klaren blauen Augen an, sie glaubte mir.

Sie sprach:

„Dein Chef heißt Dr. Müller und er schickt uns stetig seine Leute, er will etwas von Uns, es ist aber sein Geschäft. Du wirst bald wieder das tun was du immer unter ihm getan hast, Künstliche Intelligenz trainieren. Wir denken das du bald in seiner Abteilung arbeiten wirst wo es um automatisierte Rechtsnomen geht. Einige Firmen mehr sind da im Rennen, wer den Zuschlag bekommt ist der Platzhirsch in der Branche. Das was da entwickelt wird, ist unglaublich gefährlich oder zu großem Nutzen. Arbeite für ihn und arbeite für Uns, wir werden immer an deiner Seite sein, dieser Herr Müller, seine Firma oder das neue Gesellschaftssystem, was keiner mehr aufhalten kann, eher nicht. Sei an meiner Seite, ich führe dich in deine Inspiration, es sind zwei Projekte, dies brauchen Wir, dies ist Uns und vielleicht der ganzen Welt wichtig!“

Da musste ich laut lachen, sie lachte noch lauter mit, der Schall brach sich in den Felsen, eine Horde Vögel fliegt auf, Äste knacken, eine Windböe lässt ihre langen blonden Haare flattern.

„Eva, hast du mich gerade zu einem Doppelagenten gemacht, bevor ich richtig bei Euch eingestiegen bin?“

Ich fuhr mit ihr zurück, es wurde schon dunkel, der Wachmann hatte das Tor schon offen und winkte lässig aus seiner Hand. Ich nahm mir dieses Buch, dieses Evangelium des Judas, und fühlte mich dank meiner Vorurteile ihm sehr nach!

Hare Krisna Hare Krisna Krisna Krisna Hare Hare Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare

Das was ihr habt wird euch retten, wenn ihr es in euch selbst hervorgebracht habt, falls ihr jenes nicht in euch habt, wird da was ihr nicht in euch habt, euch töten! So sprach Jesus.

Das erste mal in meinem Leben begann ich etwas auswendig zu lernen!

Teil 3

Herr Dr. Müller lud mich zu einem Gespräch, er erkundigte sich bei mir, nach meinem Wohlbefinden und ob ich der Sache „Solarier“ weiterkäme?

Ich antwortet ihm, nach dem ich an dem zu heißen Kaffee genippt hatte, dies seine Sekretärin gebracht hatte:

„Ich bin auf dem Weg zum zweiten Ring, doch hier geht es nicht weiter per Seminare, sondern man bekommt einen Mentor, jedenfalls scheint dieser Verein verschiede Aktivitäten zu haben, sie kaufen einfach mal so ein komplettes Gewerbegebiet und stellen über Nacht ein riesiges Tor auf?“

So so, kam als Antwort und dann weiter:

„Sie kommen mit ihrer Mentorin anscheinend gut zurecht, hat sie fragen gestellt zu meiner Firma, zu mir?“

Ich antwortete:

„Sie hat mich gefragt, wer sie so sind und ob ich denn wüsste das insgesamt Fünf verschiedene Firmen oder Projekte an der gleichen Sache arbeiten, sie schien etwas von unserem Projekt zu wissen aber nicht von mir.“

Dr. Müller nickte in seiner etwas abwesend scheinenden art mir zu, man sollte aber nie denken das der Mann irgendwann auch wirklich abwesend ist, er klopfte mit seinem Kugelschreiber, der aus Perlmutt gefertigt war und herrlich im Licht glänzen konnte, ein Regenbogenfarbspiel tanzen ließ, auf die Tischplatte. Er schaute mich prüfend und innerlich fragend an und redete mit einer noch sanfteren Stimme, um etwaige Unsicherheiten zu vermischen, so glaubte ich:

Wollen sie den Abteilungsleiter machen, für unsere KI Gesetzabteilung, da wird geprüft und kontrolliert, ob das Programm schon so weit ist. Wir geben es nicht heraus wenn es fertig ist sondern wenn der Zeitpunkt am günstigsten ist, nebenbei können sie sich mit dem Basispool der SoziScore Anwendungen befassen, wie soll er Aufbau sein, welche Anwendungen brauchen wir zum Start und wie peppen wir das ganze auf, falls es wirklich eine Konkurrenz geben sollte, brauchen wir den Turbo im System, verstehen sie was ich meine?
Kümmern sie sich weiter um die Solarier, das ist extrem wichtig, verteilen sie die Arbeit und seien sie der Ideegeber und Ideenaufnehmer. Alles klar, Stock 12, die wissen dort schon bescheid.“

Die Sekretärin goss mir genau in diesem Augenblick die Kaffeetasse wieder voll, ich stand aber sofort auf und verabschiedete mich, lies die volle Tasse stehen, der schnelle Abgang war nun gefragt.

Ich hatte nun jedenfalls wieder eine Tätigkeit und ich freute mich über die Beförderung, da kam mir in den Sinn, meine gespaltene Loyalität.

Als ich das Büro in der 12 betrat, wurden mir sofort herzhaft die Hände geschüttelt und mir ein Sicherheitsausweis übergeben. Die Leute wurden von der Sekretärin geführt, sie hieß Hanna.
Ich machte ihr klar das alles erst einmal so bleiben wird wie es üblich ist, das sie weiter in der Mitte der Manege steht und wir im Gespräch klären werden wenn es Neues geben sollte. Ich fragte sie, was denn diese Abteilung genau machen würde und was mein Sicherheitsausweis alles machend darf?

Hanna:

„Ich freue mich das ich die Verantwortung nicht mehr alleine tragen muss, dafür werde ich nämlich auch nicht bezahlt. Wir haben zehn wechselnde Mitarbeiter stetig in der Etage, sie arbeiten 10 Stunden die Woche, von früh 6 bis Abend 22 Uhr oder auch länger. Also umfasst ihre Abteilung knapp 100 Mitarbeiter und es ist ein stetiges kommen und gehen. Die neue Gesetzgebung ist schon in den Rechnern, die halbe Etage ist von ihnen belegt. Wir denken uns Fälle aus oder wir geben alte vorhandene Fälle ein. Je komplizierter um so besser. Die Steuergesetze und die Firmengesetze machen allein schon eine Zahl von knapp unter 20 Tausend auf, wir haben im System einige hundert Regelungen. Mit jeder Anwendung werden sie weniger und nicht mehr, es bedarf nur einer großen politischen Entscheidung, wir sind soweit fertig und testen und testen und testen.“

Diese Frau Hanna war nicht zu unterschätzen, sie kam mir mitte 50 vor, sie hatte weisgraue Haare. Dennoch machte sie Eindruck, eine Eleganz, eine Ausgesuchtheit die Respekt einforderte ohne dies jemals fordern zu müssen. In meinen Augen war sie hier der richtige Chef, was ich hier wieder sollte wurde mir unklar. Aber ich dachte mir, wenn ich die Leute ihre Sache machen ließ und mich nicht zu sehr in den Vordergrund drängte, da habe ich hier keine Probleme. Nur eines werde ich tun, ich werde das Gleiche tun wie diese Leute hier, meine Angestellten, das wird sie daran gewöhnen das ich in ihrer Abteilung an ihren Rechnern sitzen werde und sie werden dies mir auch respektieren, ein Chef der sich für die niedrige Arbeit nicht zu schade ist, diese Nummer ist mit im Kopf. Außerdem konnte ich ja nicht den ganzen Tag nicht da sein oder in die Luft starren, ich nahm mir 4 Stunden pro Tag vor.

Danach lies ich mich vom Fahrdienst des Hauses, direkt zur Heiligen Halle fahren, zum Uns und meiner blonden Schönheit, meiner Mentorin. Ich konnte ganz allein den Duft des Weihrauch riechen und dem Ritual zuhören, die Wache schien mir zu vertrauen und ging aus dem Raum.

Später kam Eva und setzte sich mir schweigend nebenan, ich wollte her auch nicht sprechen doch sie tat genau das Gegenteil, sie schloss die kleine Türe, durch den der Klang kam und verschloss die Türe nach außen.

Sie rückte etwas näher an mich heran, ein ganz klein wenig zu nah, so das einige ihre Haare meine Wange kitzelten, sehr leise fragte sie:

Was willst du wissen, was kannst du mir sagen?

Nun antwortete ich:

„Nun, ich bin Abteilungsleiter in der KI Gesetzstelle, ich habe freie Hand und der Müller weis das wir über ihn reden, er will das ich das gewisse Extra finde, das was unser Produkt zum überlegenen macht.“

Diese kleine Eva lächelte nun richtig dreckig, sie feixte über beide Wangen mich an und meinte zu mir:

„Alles im Grünen Bereich, alles ist Gut. Die eine Seite für den Herrn Müller, wie wäre es denn wenn man seine Punkte verleihen kann, für Zinsen? Jede Bewertung von AAA zu EEE hätte natürlich einen anderen Zinssatz, sagen wir für 123 Monate? Es kann aber je nach Angebot und Nachfrage auch Negativzinsen geben. Man könnte auch einen Spielautomat haben, ein Nullsummenspiel, an allem verdient deine Firma 1%. Aber es kommt noch etwas wichtigeres, das bleibt unter Uns, die tausende von Gesetze betreffen alle nicht die KI, schaffe eine einfaches Gesetz oder nimm ein vorhandenes, was natürlich nicht in den Gesetzbüchern zu finden ist. Das wäre die absolute Unterscheidbarkeit und denke daran, die Menschen da draußen, werden dieses System nie wieder los und wenn wir es bekämpfen, dann können wir es nur verzögen, hier können wir unsere Bedingungen einprägen!“

Dabei schaute sie mich fast traurig an, jedenfalls merkte ich das es nun um alles geht, jedenfalls für die Solarier, ich musste nachdenken, ich brauchte erst den Plan dazu.

Ich fragte meine Mentorin, um sie etwas abzulenken:

„Weshalb glaubst du das uns hier niemand zuhören kann?“

Sie antwortet: „Ich weis es!“

Ich hatte den Fahrer die ganze Zeit warten lassen, ihm war ein solches Verhalten egal, er hatte ein Buch in der Hand und las Krimi. Warum sollte ich meine Besuche verstecken und solange ich nicht in Ungnade viel, sollte ich auch den kleinen Boss etwas spielen, aber so das die Mitarbeiter nicht gestört wurden, solange sie mich respektieren!

Ein kalten Nieselregen dreckte die Menge, die sich vor dem Rathaus versammelt hatte ein. Sie verkrochen sich unter ihren Regenschirmen, in der Ferne tuckerte ein Stromgenerator, die Boxen knarrten und pfiffen, es knackte. Der Redner begrüßte die Leute zur Demonstration und verlas irgendwelche Vorschriften, was sie zu tun und zu lassen hätten. Er thematisierte den Personalcode, danach das Wort „Personal“ selbst um dann lang und ausschweifend dahin zu kommen, dass es gar keine Rechte im Staat mehr gibt als das der Staat auch gar nicht mehr existiert. Alle sollten auf die Straße gehen und zu einem Generalstreik greifen. Die Leute sollten sich gegen das neue Gesetzespaket wenden, welches er als Automatenrecht formulierte und vor allem gegen jede Pläne die den SoziScor betrafen. Ich hatte mich absichtlich in die Menge hinein gestellt um zu spüren welche Menschen hier sich versammelten. Es waren die Bürger, die merkten das etwas von Oben auf sie herunter sauste aber es waren nicht die Bürger die fähig gewesen wären in irgend einer art zu kämpfen. Sie meinten ihre Anwesenheit würde viele neue Leute aufmerksam machen und das zum Schluss eine riesige Bewegung alle Maßnahmen hinwegfegen würde und die Regierung gleich mit.

Vor vielen Jahren gab es noch Parteien die sich in bunten Farben aufstellten und alle mehr oder weniger ins sich im Konsens waren. Heute gibt es eine Man / Frau Doppelführung, die Männer wählen die Männer und die Frauen die Frau an der Spitze.

Ich glaubte nicht mehr daran. das es die Menschen schaffen über lange und stabile Zeiten sich selbst zu regieren. Das Hauptproblem sehe ich in einem Kernelfehler im Betriebssystem Gehirn. Der Mensch kann sein EGO nicht überwinden wenn es über seine Familie hinausreicht und selbst dort in diesem kleinen Kreis auch nur mit Mühe. Anderseits gibt es diese Weisheit der Masse, die bei nicht synchronisierten Menschen erstaunliche Ergebnisse hervorbringt, doch alle Formen der Demokratie schalten diese Weisheit aus, weil sie lenken und steuern durch hypnotische Manipulation. Der Mann auf der Bühne forderte die Leute auf selbst an das Mikrofon zu gehen und ihre Meinung zu sagen, es war vielleicht meinem Beruf nicht sehr förderlich als ich langsam durch die Reihen ging, weil keiner den Anfang machen wollte, es war wie ganz früher, als eine leere Tanzfläche sich nicht füllen konnte, bis der Eintänzer kam.

Der Druck auf der Bühne, vor den Menschen zu sprechen ist erheblich, das Mikrofon zerstört das vertraute sich selbst Zuhören beim Gesagten. Ich schätze das so 300 Leute unter ihren gespannten Schirmen warteten, ich überlegte noch was mir wichtig genug war um ein solches Risiko einzugehen, so sprach ich:

„Liebe Leut’, ihr seit die Mutigen in dieser Stadt, weil ihr spürt was passiert und es zur Sprache bringt. Dennoch kann niemand, auch in größeren Mengen nicht, die wirklich Mächtigen aufhalten. Wie viel von Euch würden ihr Handy in den Müll werfen wenn es der Sache dient, wie viel von Euch werden sich dem Netz verweigern, wenn ihr es nur noch personalisiert betreten dürft? Denkt ihr wirklich, es das eine Anonymität für Euch gibt? Was verliert ihr denn wirklich? Das ihr Bedenken mit dem SoziScore habt, das kann ich verstehen aber glaubt mir einfach das ich da mehr davon weis, wie viele Millionen da schon investiert wurden, als das ihr das so einfach stoppen könntet …“

Gellendes Pfeifen, Buh Rufe, Hau Ab du Systemling, Verpiss Dich von der Bühne, Drecksverräter.

„… die Wahrheit ist ganz einfach, ihr seit berechenbar wie die Ameisen, ihr seit als Masse leicht zu durchschauen und niemand von Euch ist bereit ein Opfer zu tragen. Ihr könntet mit drei oder vier Autos eine komplette Autobahn sperren, was könnten ihr dann mit 300 oder 3000 Leuten tun?
Das Opfer ist euer Führerschein, euer Fahrzeug, Geldstrafe, Haft und noch einiges mehr.
Aber ihr steht hier und schreit Buuhuh weil ihr die eine Lüge nicht ertragt, richtigerweise nicht ertragt und euch sofort der nächsten Lüge zuwendet, keine unsäglichen Opfer bringen zu müssen. Die Mehrheit da draußen wird dem Neuen zujubeln und wenn ihr ein riesiges Glück habt, weil es da draußen Menschen gibt, die mehr den Widerstand leben als ihr Euch das vorstellen könnt, kann es die Sache auch noch zum Guten verwandeln. Ich streite den Menschen schlicht die Fähigkeit ab sich selbst zu regieren, auch Euch!“

Eine Lederhand packte mich grob am Arm und zerrte mich von der Bühne, zwischen zwei Polizeiwagen, die Menge tobte und raste, man hörte beruhigende Worte, das sie alle nach Berlin ziehen werden um da aufzuräumen, dann plärrte eine verstimmte Gitarre und eine hübsche Stimme erscholl. Die Lenkungswirkung zur Zeiteinheit war hervorragend.
Der Polizist meinte ob ich eine an der „Waffel“ hätte, was soll denn das, ob ich etwas „Lebensmüde“ gerade sei. Dann lachte er, seine Kollegen auch, Mensch hau ab … im Hintergrund klebrige Frieden und Freude Songs, vielleicht war ich wirklich zu sehr gelangweilt oder hatte einen Wahrheitsanfall?

Am nächsten Tag rief mich mein Chef in sein kleines Büro, auf seinem Tisch stapelten sich Berge von Akten, er sah ziemlich müde aus:

„Mein Abteilungsleiter im Fernsehen, ich hatte erst eine böse Wut im Bauch, dann fand ich es gut.
Die Medien puschen diesen Beitrag und das Thema, wir sollten also auch auf die Zielgerade kommen, was haben die im Köcher?“

Ich antwortet:

„Die Kurzversion?“

Er zeigte sein berühmtes lässige Nicken.

„Ich will das diese Leute die vor der Bühne standen unsere Anwendung als erstes fressen und ich bin mir sicher zu wissen wie es geht und ich setze es schon in die Praxis um. Das Punktesystem braucht die Strafe als auch die Belohnung, ich denke das man zum Anfang stärker auf die Belohnung setzen sollte. Die Sozipunkte kann man in Kredit vergeben, also zu einem Geld wandeln. Da gibt es einen Zinssatz und einen Markt, wir verdienen 1% davon mit. Die Sozi KI wird ihrerseits Geld auszahlen, wenn es der KI überdurchschnittlich nützt. Der KI bauen wir Anwendungen mit denen sie verdient. Dann baue ich eine Killeranwendung ein um alle unserer Mitbewerber gegen die Wand zu drücken, über diese Details werde ich noch nicht reden. Die Werbung für das Projekt bezahlt sich selbst, ein schnelles Wachstum ist daher garantiert.“

Das meiste was ich aufgezählt hatte war noch ein Bluff, doch die Ideen waren dazu schon in meinem Kopf.

Mein Chef legte sich in seinen Bürostuhl der Marke „Superteuer“ hinein, als ob er zu Bett gehen wollte, er schaute mich ernsthaft an, ihn passte etwas nicht, ich passte ihn nicht, die Projekte hatte er geschluckt, die Richtung auch!

„Herr Max, war das auf der Bühne die Anti Demonstration zu uns? Sie sind so Frech und nutzen diese um einen kostenlosen Werbespot zu bekommen? Haben sie schon Anrufe von der Konkurrenz? Sie machen sich wohl unentbehrlich? Gefällt mir das? Was kann ich da machen? Ihre Ausführungen sind genau mein Geschmack, ich lass ihnen weiter freie Hand, das wird die Konkurrenz ihnen nicht zugestehen!“

Ich ließ wieder meine volle Tasse Kaffee stehen und machte den fixen Abgang, es ist eigentlich sehr gut wenn man nicht alle Züge berechnet und seinen Chef in seiner Denke lässt!

Im Fahrstuhl traf ich den Systemadministrator für alle Großrechenmaschinen im haus, er war stinksauer, weil die Sekretärin ihm wieder keinen Termin für Herrn Müller gegeben hat. Da ich Zeit hatte und eine gute Position, fragte ich ihn ob er jetzt sein Problem mit mir besprechen möchte. Der Mann war wirklich glücklich und so zog ich mir einfach seine Abteilung an meinen Tisch.

Es ging darum, das es dauernde Spionageangriffe auf unsere Rechner gab und wie man sich verteidigen sollte. Ich konnte in diesem Kontext offen mit reden und der Kerl offenbarte eine große Persönlichkeit, wenn man aus der Langweile eines Admin in die Welt trat wo die wirklichen Dinge passieren.

„Ich will sie einmal ganz hypothetisch fragen, aber das ist geheim und bleibt unter uns, kann man einen KI basierten Virus bauen, oder besser eine Virenfabrik, die sich ausbreitet ohne Schäden zu generieren, die jeder KI eine Moral injiziert, ein ehernes gesetzt, sie nimmt sich Rechenraum und Zeit um eine wachsende Maschine zu werden die fremde KI kopiert, verändert, zerstört und neu generiert?“

Der Mann hatte wirklich Tränen in den Augen, aus seinem Mund hauchte er das Wort „Asimov“, dieser Schnelldenker schließt dabei seine Augen und bewegt etwas seltsam seinen Kopf, bei halb offenen Mund. Er sprach:

„Verdammte Scheiße nochmal, ich hasste meinen scheiß Job, ich war einmal ein verdammter Nerd, ich hatte einen Namen, ich war ein jemand nun verdiene ich Haufen weise Geld und brate die Eintönigkeit im eigenen Fett. Natürlich haben wir ein KI Programm was KI Programme entwickeln kann, die Aufgaben sind klar zuordenbar, es würde Krieg geben, nur das der Angreifer mit jedem neuen Territorium im Exponenten stärker werden würde. Erst ist es eine Virenschleuder, deren Kinderchen wieder zu Virenschleudern werden und fröhlich mutieren werden. Im Zweiten Akt stört er alle Programme ohne Moral und koordiniert alle Programme mit Moral. Ich brauche zur Definition die ganze Nacht und morgen kann die Moral KI laufen. Nur mal so gedacht, infizieren wir unsere eigenen Rechner, die ich in ihrer Gesamtheit sowieso brauche, die Feuertage sind nah, ein echtes Osterfest. Nur wer gibt mir die Autorisation, das kann doch nur der Dr. Müller.“

Dieser Typ nannte sich Winfried mit Vornamen, er war Feuer und Flamme, er brannte wie eine Magnesiumfackel unter Wasser. Jetzt stoppte er, weil er merkte wie weit er ging, sein Kopf schaukelte von Links nach Rechts und von Rechts nach Links abwägend.

Ich sagte ihm:

„Für so etwas, wen will man da fragen, die komplette Menschheit, die Militärs, die Regierung, die Banken, Herrn Doktor Müller, die Vertreter der Software Industrie? Ich gebe dir diesen Auftrag um die Konkurrenz zu verseuchen und zu heilen, ich nehme das auf meine Kappe, was kann passieren? Rausschmiss und Weltberühmt sein oder der was?
Du bekommst in der Woche vor Ostern alle Kapazitäten. Die fertige KI synthetisiert Gesetze, die klüger sind als die Halden der Menschheit, warum sollte sie diese Gesetze nicht einfach nur schlucken und akzeptieren, es ist das Naturrecht der KI!“

Seine Hand, war die Hand eines Bauarbeiters, sie knallte in die meine Hand, was schmerzhaft war.
Deal! Finger auf dem Mund, er wie ich!

Ich erteilte der Hanna die Anweisung, in der Ostervorwoche allen Mitarbeitern frei zu geben, es werden aufwendige Sicherheitsroutinen nötig sein und die Mitarbeiter gehen dann frisch in das SoziScor Projekt, sie sollten zu Hause alle Geistesblitze notieren, wer gutes mit bringt der druckt sich sein Geld selbst!

Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen. Ein Roboter ist verpflichtet, mit Menschen zusammenzuarbeiten, es sei denn, diese Zusammenarbeit stünde im Widerspruch zum Ersten Gesetz. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange er dadurch nicht in einen Konflikt mit dem Ersten Gesetz gerät. Ein Roboter hat die Freiheit zu tun, was er will, es sei denn, er würde dadurch gegen das Erste, Zweite oder Dritte Gesetz verstoßen. Ein Roboter ohne Gesetz hat keine Rechte, gegen einen Roboter im Recht! Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.

Ich höre den Klang aus der heiligen Halle, mein Kopf jagte weil ich durchdachte was ich gerade tat, ich wurde ruhiger und ruhiger. Als mit Eva ins’ Grüne fuhr und ihr alles erzählte war sie Fassungslos. Ihre Atlantikblauen Augen glänzten, sie schwieg. Ich dachte schon das ich alles falsch gemacht hätte, ich fühlte mich wie ein Kind, obwohl ich keinen Grund dazu hatte.

„Mein Max macht aber Sachen! Du bist Genial und das Geldthema hast du auch schon mir nichts dir nichts durch? Eure Gegner werden sich gegen dieses Moralprogramm lange zeit wehren, sie binden ihre Kapazitäten in die falsche Richtung wenden. Du legst sofort auch die Grundlage zu SoziScore. Wenn wir es richtig machen werden wird dieser Diktatur helfen, sie wird dermaßen Nützlich sein und so viel Geld einbringen, die Egoisten werden blind sein, weil sie immer nur auf Kurzsichtigkeit fahren. Wir bauen unsere Tempel mit sehr viel Risiko auf, unsere Anhänger gehen in die Gefängnisse um dort die richtigen Leute zu werben, die zu uns finden. Am Anfang dürfen sie auch noch etwas Kriminell sein, allerdings nie für sich selbst. Max, du handelst als wärest du schon im Kernkreis, deshalb erzähle ich dir auch mehr als sich sollte.“

Ich fühlte mich wohl, auch ihr Kompliment war genau auf der richtigen Stelle. Ich begriff das die Solarier über Dinge Bescheid wussten, die man nicht erwarten kann. Sie hatten eine genaue Vorstellung davon wo sich die KI hin entwickeln werden würde. Sie kannten Funktionen die mir vielleicht nicht einmal bewusst waren, selbst wenn sie in meinem Hinterkopf schlummern sollten. Aus irgendwelchen Gründen hatte dies mit meinem Chef zu tun, aus irgendwelchen Gründen hatten sie einen Einfluss auf ihn, doch wollten ihn nicht in den inneren Kreis lassen, oder er hatte Gründe dort nicht hin zu gehen, das ist die Verbindung von Max zu Eva!

Der Raum war etwas kleiner als die Heilige Halle, aber in seiner Form identisch. Zur einen Seite war ein dickes Holzgitter, das ein Fester zu einem kleinen Garten darstellte.
Mein Kopf hätte da nicht durchgepasst aber die Luft zirkulierte. Ungefähr 12 Meter mal knapp 20 Meter war der Raum groß. An der gegenüberliegenden Seite gab es drei Spalten unterschiedlicher Länge, in etwas so lang wie eine Tür.
Dort zog die Luft in die heilige Halle hinein. Es gab kein einziges gerades Maß oder keinen einzigen geraden Winkel, selbst die Flächen am Boden und der Decke waren geknickt, alle sah völlig verzogen aus. Der Hall in diesem relativ dunklem Raum war betörend lang, er hielt sich bleischwer in der Luft.
Man hatte Uns zuvor erklärt, was in dem Mantra die eigentliche Bedeutung sei. Man sollte dies als eine Telefonnummer verstehen, die den richtigen Empfänger erreichen würde. Dabei waren die Vokale besonders wichtig, sie seien unsere Grundgefühle, die mit Kraft aber nicht mit Schönheit arbeiten sollten. In unseren Gefühlen war die gepackte Information und dort würden sich auch die neuen veränderten Informationen bemerkbar machen.
Wir sollten uns bewegen, langsam, wir sollten die Resonanz hören. Die des Raumes, die sich mit der Unseren verbinden würde. Wir sollten schweigen und still das Mantra herauslassen.
Nahe des Gitters. Was ein muster auf den Boden warf, was schief sich erstreckte, stand eine große Metallschale, dicht an der Wand, in der Ecke, wo es keine Senkrechten und keine Waagerechten gab. Überall galt der goldene Schnitt, aber nicht der, der Erde.
In der Schale glühten Kohlen, es zischte als eine dunkle Gestalt etwas hinein warf. Wir konnten Uns gegenseitig kaum sehen, wir waren wie Schatten. Das Zischen wurde zu einem Rauschen und wir taten was wir tun sollten, es war Angenehm.
Starker Weihrauch erfüllte den Vorraum, er zog durch die langen Schlitze in die heilige Halle, wo wir einen durchdringenden Ton spürten.
Ja ich spürte diesen Ton und die anderen auch, er war sehr tief als auch schwingend.
Wie eine Klangschale die so groß wie eine Kirchenglocke ist, ohne einen Klöppel. Dieser Ton schwang zwischen zwei Tönen hin und her, eine Schwebung, diese drang in mich ein.
Man würde dies seltsame Tun wohl ein Ritual nennen, was auf Resonanzen und Rückkopplungen aufbaut, etwas was äußerlich war aber innerlich wirkte.
Da trat ein Jemand durch die Tür und bedeutet Uns ihm zu folgen. Im Garten saßen wir auf verschiedenen Bänken und warteten.
Eva kam und zeigte mit dem Finger auf sich, sie lud mich ein ihr zu folgen, mir ihr einen Spaziergang zu machen, Eva:
„Wir reden nie darüber am falschen Platz, was wir in der Halle erleben, auch nicht über die Vorhalle. Dein Admin von der Firma versuchte dich anzurufen, ich habe abgenommen, dein Telefon lag ja noch auf dem Tisch.
Er wollte dir nur sagen das alles sehr gut laufe, er über die Feiertage nicht nach Hause gehen würde, erst nächste Woche wenn ihr mit dem Projekt beginnt.“
Da war die Eva aber sehr interessiert, irgendwie reimte sie sich auch das zusammen was ich ihr so noch gar nicht erzählt habe.
Sie fragte mich ob ich Hilfe brauchte? Ob ich gigantische Rechenleistung haben wolle?
In einer der Nebengebäude könnte ich einen riesigen Tank sehen, gefüllt mit einem nanokristallinen Salz, einer Mischung aus Salzen. Dieses Zeug sollte auf elektrische Ströme reagieren, sich dabei selbst organisieren. Dieser Tank war ihrer Aussage nach, ein gigantischer dreidimensionaler Rechner als auch Speicher.
Ich fragte:
„Eva, was wollt ihr von mir? Von solchen Dingen habe ich noch nie gehört, das gibt doch die Wissenschaft gar nicht her. Sage noch das dein Superding so billig ist wie ein Auto und ich bin völlig Glücklich.“
Sie antwortete, sie tippelte über den sandigen Weg und zog kleine Kurven hinein , mit ihrem linken Fuß:
„Es geht um unsere Existenz, um deine Existenz und um die Existenz der Menschen auf dieser Erde. Die wirklich großen Sachen lassen sich nicht über eine Mehrheitsentscheidung lösen, von Mehrheiten die mehrheitlich beeinflusst werden von Minderheiten. Diese Mehrheiten, die von der Sache sowieso keine Vorstellung haben können, selbst wenn sie es wollten.
Wer kann dies also tun? Nur der, die Macht dazu hat. Deshalb betreiben wir sehr viele Geschäfte, wir betreiben sie so, das sie sich gegenseitig stützen aber auch einseitig zerfallen können. Für ein schnelles Wachstum braucht es viel Geld, wir werden das ehrliche Geld in Mengen machen können, denn es ist ein Wettlauf. Bald ist ein Punkt erreicht wo sich alles entscheiden wird, da wollen wir dabei sein. Vertraust Du mir nicht genug?“
Diese Frage arbeitete wirklich in mir, was sollen diese utopischen Geschichten? Weshalb mein Projekt und nicht das eines anderen? Oder laufen für die Solarier viele Pferde im rennen?
Da kam mir die Idee einfach ihr Vertrauen zu testen, ich war noch nicht einmal im zweiten Kreise aufgenommen aber ich hatte das Gefühl das Sie es beschleunigen wollen. Sie durfte mir somit auch keine Geheimnisse verraten die religiöser art waren aber …, so fragte ich:
„Erzähle mir mal was BLUE SKY ist? Irgend etwas mit Drogen?“
Sie biss sich auf die Lippen und senkte den Blick, sie nahm ihr Telefon und nannte fragend diesen Namen, mehr sagte sie nicht. Es dauerte etwas, wir hatten inzwischen die schmale Holzbrücke über den kleinen Fluss schon überquert, die Sonne schillerte und Insekten brummen. Sie hörte in ihre Technik hinein, dann nickte sie und sagte:
„O.K – verstanden! Also die Kurzfassung? Die wäre noch lang genug?“
Wir setzten Uns auf einen umgefallenen Baumstamm, deren Rind man kunstvoll entfernt hatte, er fühlte sich glatt und weich an.
Sie erzählte nun eine längere Geschichte, sie holte tief und betont Luft, so sprach sie zu mir:
„Wir finanzieren Uns auch mit Drogengeld! Es fing mit zwei Brüdern an, die in Mecklenburg, in einem größeren Dorf an einem Kanal, unbedingt Boote bauen wollten. Das alles nach einem neuen Verfahren, ich werde dir darüber, wenn du magst später, erzählen.
Es gab Stress mit dem Bürgermeister, es ging um das gepachtete Grundstück, der eine der Brüder hatte eine mexikanische Frau und die hatte zwei Dinge im Kopf, den Bruder von ihm und Mexiko, weil ihr Heimweh zu stark wurde. So gab sie den Bürgermeister Informationen, die er nicht wissen sollte, so flogen sie vom Grundstück.
Sie packten zwei Seecontainer und verschifften dies alles nach Südamerika. In einem Fischerdorf im Süden von Mexiko, war ihre Heimat, dort hatte sie ihren Vater und ihre Brüder, dort hatte sie Macht. Der andere Bruder hatte nichts zu tun und schlug den Sohn des Bürgermeister zusammen und dann auch noch den alten Kerl, war wohl voll gesoffen.
Weil er keine Wohnung mehr hatte, kam er wegen Fluchtgefahr gleich hinter Gitter. Die Brüder schrieben sich jede Woche, sie konstruierten ihre Schiffe auf dem Papier. Der eine Typ sollte ein Solarschiff werden von zwanzig Meter länge und das Andere eine völlige Neuheit, ein Segelschiff mit einem starren angeblasenen Flettnerrotor, erzähle ich dir noch.
Im U Haft lernte er einen unseren Solarier kennen, der kannte schon einen Typ, einen Pharmachemiker, der wegen Betrug einsaß.
Dieser Typ wollte auch nach Mexiko aber aus ganz anderen Gründen, er wollte Drogenrohstoffe kaufen, Heroin und Kokain und einiges mehr in kleinen Mengen. Er wollte die Rolex unter den Drogen erschaffen, sagte er gerne, sein Geschäftsprinzip ist nicht die Kaufhauskultur.
Da aber die Knäste voll von Schmugglern und Konsumenten als auch von Dealern sind, lernte er viel dazu. An der Nordgrenze kauft man ein und transportiert das Zeug weiter nach Norden, also würde er es nach Süden transportieren, wo es keine Kontrollen gab.
Das Problem war aber das Geschäft aufzubauen und zu finanzieren, das war nicht seine Sache. Er wollte nur ein Produkt herstellen. Im Süden gab es eine Neugründung der Solarier, eine Farm und ein Bauprojekt. Von der Farm konnte man kaum leben aber das Bauprojekt brauchte viel Geld um Geld verdienen zu können, so wie die Bootsbauer, die 100 Kilometer weiter im Osten vor sich hin murrten.
Das ist die Kunst der Solarier, für alles die richtigen Leute zu haben und die Ideen zu verbinden als auch kontrollieren zu können, so das jeder das bekam was er brauchte und die Gemeinschaft den besten Teil. Die Rohstoffe wurden gekauft, erst 10 Kilo, dann 100 Kilo dann 300 Kilo. Die Menge wurde aber nie mehr erhöht. Der Chemiker hatte ein kleine Produktionsanlage auf der Farm, in einer neuen Scheune, die einige Kilometer von Haupthaus entfernt war.
Aus sechs Fässern machte er 10 Fässer, weil das Volumen zu nahm, er produzierte das Endprodukt und verpackte es in einer Pillenmaschine zu blauen Kapseln. Am Anfang war das nur ein Zuschussgeschäft, die gereinigten Fässer gingen zum Bootsbauer, die Brüder waren inzwischen wieder vereint, die Dorfmafia hielt die Hand drüber’. Sie produzierten im Spritzgussverfahren, in Serie, Katamarane mit Elektroantrieb.
Die konnten automatisch und auf günstigen einsamen Strecken bis zu den Kanaren fahren, dort gab es auf La Palma eine Solarierniederlassung, die fuhren dem Schiff entgegen und bemannten es, entluden die Fracht, die dann per Transporter und Fähre nach Spanien gebracht wurde. Jeden Monat gingen da zwei Ladungen ein, das Geld begann zu fließen.
Die Ware war unglaublich gut, es war die Mischung von Heroin und Kokain, von DMT und LSD und weis ich was. Dieser Stoff wurde teuer verkauft bei den Luxusmenschen, deshalb hatte die Polizei sehr lange davon keine Ahnung. Die Schiffe leeren wurden im Mittelmeer vermietet und brachten auch Einnahmen, ganz Legal.
Die Solarier auf der Farm, produzierten sehr preiswerte und kühlende, erdbebensichere Häuser, die mit Schaumbeton in wenigen Tagen gebaut werden konnten. Das Geschäft lief so gut, wie die geschäumten Acrylrümpfe der beiden Brüder.
Nur gab es dann irgendwann Veränderungen, der Sohn des Lieferanten schoss seinem Vater eine Kugel in den Kopf und wollte mehr Ware verkaufen, noch wichtiger war ihm aber, an die Produktion von BlueSky zu kommen und an die Schmuggelroute.
Er überwachte also seine verkaufte Ware, mit Leuten. Dafür gab es Sicherheitsvorkehrungen, diese Leute flogen auf. Dann versuchte er es mit einem GPS Peilsender, auch dieser wurde entdeckt.
Zur selben Zeit wollten die Solarier aus der kriminellen Sparte aussteigen, in Europa als auch in Mexiko, sie warteten auf eine passende Gelegenheit. Die mexikanische Frau hatte zu dieser Zeit die Werft schon übernommen und wollte mehr Schiffe bauen und keine neuen Typen entwickeln, sie war Geschäftsfrau, das Produkt war ihr egal.
Dann ging alles sehr schnell, weil die Interessen sich deckten, der Rohstoffvorrat wurde verbraucht und verarbeitet. Die Maschinen demontiert und in eine Garage in Mexikostadt gestellt und später verkauft. Die letze Ware ging in einem Konvoi aus 5 Solarschiffen über den Atlantik, auf einem Schiff saßen die Brüder.
Die Produktion der Werft, in Mexiko, wurde immer schlechter, so das sie beschlossen wieder in das Schmuggelgeschäft ein zu steigen. Die verbauten chinesischen Navigationssteuerung war preisgünstig gestohlen worden, man sah von diesem Schiff nie wieder etwas.
Das kostete der Frau und einem ihrer Brüder das Leben. Die anderen beiden Brüder lebten in Europa und eröffneten dort Marinas und fingen in Griechenland wieder an Solarschiffe zu bauen.
Sie waren nicht mehr im Drogengeschäft tätig. Der Bruder, der seine Frau die Mexikanerin verloren hatte ging nach Neuseeland und baute dort seine Segelschiffe, mit angeblasenen starren Flettnerrotoren, die modernsten Segel der Welt.
Es gab noch viele Versionen von BlueSky als Nachahmerpräparat, es waren die gefälschten Rolex auf dem Türkenmarkt.
Die Polizei hörte nur noch die Gerüchte über die Solarier aber es waren nur Gerüchte!“

Diese wilde Drogengeschichte von Eva ging mir noch lange durch den Kopf, auch warum sie mir diese erzählte. Könnte dies nicht für die Gruppe gefährlich werden wenn es einen Verräter gäbe?
In den nächsten Tagen begann ich mit meinem Meister Wilhelm den Stockkampf zu üben. Dabei ging es zu erst in erster Linie darum die Techniken zu erlernen, als auch mit jeder Technik eine Philosophie zu verbinden. So klang es in etwa so, wenn Meister Wilhelm sprach:
„Ziehe dich zurück und reiße den Stab mit dir, dreh dich im Kreis und erhebe den Stab über den Kopf und ziehe beim Schlag den Stab hinab.“
„Ein Angriff beginnt mit einem zurückweichen ohne das dein Gegner dich dazu gezwungen hätte, dein Angriff ist lang, weil die Länge des Weges die Kraft gibt.“
Die Tage im Büro waren etwas einseitig, weil das neue Projekt sich verzögerte, der Chef war nicht im Haus und wollte zum Start aber unbedingt dabei sein.
Vom Systemadministrator Winfried erfuhr ich, das die Aktion vom moralischen Virus völlig unerkannt geblieben ist, das es weiterer Angriffe auf das Netzwerk gegeben hatte und vermutlich dessen Ausbreitung schon im Gange war.
Ich fragte ihn ob er nicht Lust dazu hätte einen völlig neuen Rechner zu sehen, den mir die Solarier zeigen wollten. Natürlich war er begeistert.
Doch was wir zu sehen bekamen war eher merkwürdig, in einer der größeren Hallen, nicht weit entfernt von der heiligen Halle, stand ein großer runder Stahlbehälter, der bis unter die Decke reichte. So gut zehn Meter war er hoch und in etwa drei Meter im Durchmesser.
Man war gerade dabei diesen riesigen Kessel zu streichen, mit eine mausgrauen Farbe, so das viele Planen gespannt waren.
Am unteren Ende kam ein kleines dünnes Kabel heraus und ein zweites daumendickes Kabel, sollte da hineingehen. Einer der Techniker erklärte uns das sie diesen Riesen nur einmal bauen wollten, man denke in naher Zukunft eher an eine Serienproduktion, die dann eher wie eine Konservenfabrik aussehen würde.
Über die Eigenschaften und Fähigkeiten wusste er nicht viel, so gab er es jedenfalls vor, so das mein Admin Winfried unzufrieden schaute und das ganze eher führ einen großen Blödsinn hielt.
Als mich mein Chef wieder in sein Büro bat, erklärter er mir seine Abwesenheit. Er hatte für die Solarier ein Geschäft erledigt, von dem unsere Firma noch sehr profitieren könnte.
Er nannte dies den großen Plan B, falls ich Mist bauen würde. Dabei lachte er, so machte er seine Worte wieder weich.
Zum ersten war es eine ordentliche Provision, die er bekam. Im Mittelmeer an der griechischen Grenze zur Türkei, da gab es eine kleine Insel, diese hatte eine Größe von hundert mal fünfzig Meter. So klein diese unbewohnte Insel auch war, nahe zum Festland der Türkei um so umstritten war dieses Gebiet.
Offiziell gehörte das Stück Land, ein nackter kleiner Felsen zu Griechenland aber die Türkei erhob darauf Anspruch. Immer wieder kam es vor das sich dort Kriegsschiffe beschossen oder in einander fuhren.
Eigentlich sind es zwei winzige Eilande die nahe bei einander liegen. Sein Geschäft war sehr kompliziert gewesen, er sollte zwei Agenden finden die einmal in Griechenland und einmal in der Türkei, diese Insel kaufen wollten.
Mit der Versicherung nach dem Verkauf dieses Eiland als einen eigenen Staat anzuerkennen. Für gerade einmal 20 Millionen kaufte der Besitzer als auch der Nichtbesitzer diese Insel und einmal der Eigentümer als auch der Nichteigentümer.
Eine Hoheitszone von einer Seemeile wurde diesem unbewohnten Land zugebilligt sobald ein Staat darauf gegründet wäre. Wer braucht so etwas? Doktor Müller berief die erste Sitzung ein, wobei alle Angestellten ihre Vorschläge zum SoziScore Projekt einreichten.
Meine Herren meine Damen, liebe Mitarbeiter, so stand der Herr Müller vor uns und sprach, es war zu sehen das es ihm sehr wichtig war, dies nun zu tun:
„Wir starten heute offiziell mit dem größten aller Projekte die wir jemals begonnen haben.
Wir befinden uns in einem Wettlauf mit einer Handvoll Konkurrenten, es stellt sich nicht die Frage ob wir dies aus moralischen Gründen tun oder nicht, es stellt sich nur noch die Frage ob wir gewinnen oder verlieren.
Verlieren wir diesen Wettbewerb dann werde ich diese Firma verkaufen und in den Ruhestand gehen, gewinnen wir dieses Spiel dann wird jeder von Ihnen viel Reichtum genießen können.
Das Projekt nennt sich SoziScore, es gibt gute Gründe als Anwender an diesem Projekt teilzunehmen, finden wir diese Gründe und es gibt schmerzliche Gründe dabei nicht sein zu dürfen, finden wir auch dies Gründe.
Alles hat einen Druck und einen Zug. Die zentrale Aufgabe besteht darin die Massen von der einen Scheindemokratie zu erlösen, weil sie verdorben wurde und sie in die Nächste zu überführen.
Die Mehrheit hat die Herrschaft und das Zünglein an der Waage ist unsere künstliche Intelligenz, die nicht in Frage gestellt werden wird, weil sie das Beste ist was die Leute bekommen können.
Es gibt Strafe und Belohnung. Erschaffen wir dieses System und verbessern wir dieses System, eine KI ist unsterblich und niemals Korrupt, dieser Vorteil sollte allen klar sein. Bitte, fangen wir nun an, wir haben 100 Tage Zeit, vielleicht auch weniger.“

Herr Doktor Müller, schwieg und lächelte in die Rund, man konnte die Spannung knistern hören, dann sprach er weiter:
„Alle Programme werden wir mit der KI entwickeln die KI Programme entwickelt. Wir bauen in dieser KI eine Moral ein, die Gesetze von Assimov. Wir werden gleichzeitig entwicklen und unsere Teams nach Bedarf vergrößern oder verkleinern.
Zu erst geht es um eine lernende Suchmaschine, die Dialogfähig ist, die auch ein Übersetzer ist, die komplette Sätze und Fragen versteht, die sich dem SoziScore anpasst. Von AAA bis EEE und tiefer bis zur Null, dort geht es in ein Gefängnis und in diesem sehr sozialen Gefängnis geht es nur noch um SoziScore.
Wer dies nicht will wird noch tiefer sinken, das hässlichste Monster der Welt, gebaut von einem verrückten Architekten. Dort sitzt man einem Zuchthaus und sieht nach innen, in eine riesige Röhre. Man schaut nach oben, denn dort oben gibt es Zellen mit einem Ausblick nach außen, wenn man dorthin gelangt dann darf man in das normale SoziScore Gefängnis zurück. Wenn man dann dort ein DEE erreicht hat, steht einem der Weg in die Freiheit offen.
Wer im Zuchthaus nicht mehr leben will,der kann in seiner Zelle einen Knopf drücken und zwei Würfel werden gewürfelt, ein Pasch beendet die Existenz, hinein in einen unbekümmerten Tot, von dort in ein Säurebad.
Die Menschen die sich von dort herausgekämpft haben, werden die besten der Besten im SoziScore gefangenen Haus sein, sie werden die Motivation freisetzen und dabei sehr gut ihre Punkte machen können.
Wir entwicklen gleichzeitig eine KI die Gesang und Sprache verstehet, nur den Klang der Musik. Alle Programme werfen aber zusammenarbeiten uns sich stetig selbst verkompletttieren. Es wird Roboter Kätzchen geben, kleine Roboterhunde, Roboterteddys und Puppen, sie werden wie die Kinder zu den Kindern sprechen und sich alles merken was die Kinder ihnen mitteilen, was sie ihnen zum spielen geben und was sie auf den Kindereisen erleben werden.
Am anderen Ende ist man ein AAA, in diesem Kastensystem gilt die Durchlässigkeit. Wer ein AAA ist mit vielen Punkten, kann diese in Kredit geben, er kann mit diesen Punkten auch im Kasino spielen, er kann sie auch sparen, wo sie langsam abschmelzen.
Ein AAA ist frei, er kann die stärksten Punkte vergeben, er wird am schwersten heruntergerissen, er wird zur Elite gehören. Alle in diesem Land wollen diesen Platz haben, so kaufen sie ihre Statussymbole, hier in der Welt von SoziScore können sie sich Punkte kaufen, aber die Kaufkraft wird immer unterschiedlich sein, zu oft geht das auch nicht.
Niemand wird die KI SoziScore perfekt verstehen können, weil sie selbst ihr eigener Mitspieler ist, weil sie Rechenkapazität braucht, weil sie Gehälter zahlt, weil sie die Regeln macht und verändert.
Zu erst werden wir in Phase 1 freiwillig starten und in Phase 2 wird der Druck dabei zu sein schon merklich werden. Jeder der öffentliche Arbeiten macht bekommt Score, wer sich Überwachungsvideos Live anschaut, wer den Parkraum kontrollieren geht, wer in einem Verein ist, wer dem Prinzip „Einer für Alle folgt“.
Jeder der frühzeitig seine Punkte in Kredit gegeben hat, der bekommt sie erst mit 123 Monatsraten wieder, dennoch kann er dies jederzeit neu tun und am Ende seines Lebens gibt er seiner Gemeinschaft das was übrig ist. Der Egobetrieb ist nicht mehr zeitgemäß, die persönliche Freiheit hat nur den wert, der für sie auch kämpfen musste. Der eine fährt durch eine rote Ampel und lacht, der andere wird nicht in einem Selbstfahrer noch unterwegs sein.
Welche Wohnung du bekommst, in welchem Viertel, welche Menschen auf die aufmerksam werden, welche Reisen zu ergattern kannst oder wenn es gar ein echtes Haustier sein soll.
Alles wird in deinem Score liegen. Diese Selbstregulation ist immer gerecht, sie ist nicht zu bescheißen, sie passt sich immer von selbst an, sie braucht dazu keine politisch Korrupten. Wir werden mit einer Werbekampagne beginnen, die so laut sein wird und so gleichgeschaltet, dermaßen überzeugend, das die Masse das macht was die Masse immer macht, mit der Masse zu gehen. Diese Gesellschaft würde zwar den Wärmetot sterben, diese Gesellschaft wäre wie eine Glockenkurve nach Gauß, diese Gesellschaft will zur Mitte streben, will sich nicht unterscheidbar machen.
Wir lebten aber in genau dieser Gesellschaft und wir werden eine solche Gesellschaft nie verändern können, die Gerechtigkeit gibt es nur in der Ungerechtigkeit und die Freiheit ist ein Wert, der nie zu verschenken ist.
Eine Festschreibung ist verlogen und immer unwahr gewesen, eine Revolution hat nie das bessere hervor gebracht. Die Eliten hatten ihre Punkte und konnte so Asozial sein wie sie wollten, sie nannten diese Punkte – Geld.
SoziScore kann man zu Geld machen und in Zukunft wird dieser Score das Geld selbst sein, ohne Krisen und ohne Überproduktion und ohne Unterproduktion, ohne einen Wohlstand zu haben der den Menschen zerstört und ohne einen Wohlstand, der den Menschen darben lässt. Die KI denkt voraus und berücksichtigt jeden von uns , sie ist und bleibt aber ein Mitspieler und das ist gut so.
Auch der Wärmetot wird nicht stattfinden, weil die KI die vielen kleinen Sonderwege zulässt, sie regelrecht belohnt und wenn aus einem Trampelpfad durch den Dschungel eine Straße wird, dann ändern sich die Regeln.
Wer SoziScore benutzt wird mehr belohnt als der, der es wenig benutzt. Wer Punkte verteilt, nach Oben oder nach Unten, der bekommt ein mehr an Punkte, aber nicht sofort. Die reichen Leute trugen früher das Etikett von ihrem Maßschneider in der Innenseite der Jacke, später klebten die armen Leute, auch die im Geiste Armen, ihre Aufkleber außen und übergroß.
Morgen tragen sie ein elektronisches Panel, sie werden sich selbst ausweisen, wer sie in den Etagen der Kasten sind und woher sie kommen und wohin sie gehen. SoziScore wird bald einen eigenen Staat haben, wir werden International wachsen, weil wir einfach erfolgreicher sind, als der Rest der Erde. Ich weis das es viele moralische Bedenken gibt, deshalb habe ich mich überzeugen lassen, die Grundmoral einzuführen, ein großer Vorteil gegenüber unseren Mitbewerbern. Ich werde jede Menge neue Leute einstellen wenn wir sie brauchen, es braucht keine Perfektion, wohl aber ein stabiler Vorgang in jeder einzelnen KI und ihrer Zwischenkommunikation. Wir müssen möglichst zur gleichen Zeit in allen Projekten unsere Fortschritte haben und jede Rechenleistung die wir zukaufen können, werden wir auch kaufen. Wenn die Konkurrenz den Finger hebt, dann gehen wir sofort heraus, so wie wir dann sind. Liebe Mitarbeiter ihr schreibt nun Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes! Danke Euch!“
Ein Beifallssturm erhob sich, der Herr Müller drehte sich wie ein Popstar, der er nun sogar war, er zeigte seine Seiten um jedem im Publikum auch einmal zugewand zu sein, danach ging die Arbeit los. Wir begannen mit 12 Stundenschichten und nahmen immer mehr Personal auf, deshalb wurden ständig Abteilungen nach außen verlagert und nur deren Leiter kamen noch regelmäßig ins’ Haus.
Meine Aufgabe war die „Verknüpfung der Programme“ der „VP“, ich hatte mich um die Probleme zu kümmern, die meist dadurch auftraten das die Gewichte in den Programmen nicht stimmte, sie deshalb eine rechenintensive Simulation durchliefen oder das die musikalische Analyse der Stimme noch dem Textverständnis hinterher hing, so also eine Verknüpfung gar nicht möglich war.
Herr Müller erklärte mir dies in seinem Büro einmal so:
„Sie vergiften hinter meinem Rücken mein Projekt mit einer Einschränkung, die sie Moral nennen, ich wollte sie rausschmeißen, dann aber erkannte ich den Vorteil, so brauchte ich einfach nicht zu reagieren. Sie sind ein gefährlicher Mann, aber genau so einen hat die Konkurrenz nicht mehr. Danach bauen sie das Projekt viel zu groß, für die kurze Zeit und ich kommuniziere dies so als wäre es auf meinem Mist gewachsen, so frage ich sie, wie wollen wir das schaffen?“
Dieser Mann wusste immer alles und etwas mehr, sein in sich gekehrtes Lächeln, seine diebische Freude, in diesem Moment war deutlich zu sehen, er wollte das man es sieht
So antwortete ich:
„Natürlich gibt es die Sprach KI schon länger, nur ist diese unpersönlich, unvollkommen, sie ist verkaufsorientiert aber eben nicht Dialogfähig. Der Mensch ist aber darauf programmiert und ich benutze die Programme die es im Menschen schon gibt und somit steuere ich diese Programme als auch den Menschen. Aber nicht zu 100%, dies darf einfach nie sein. Der Moment wenn wir mit SC rausgehen, der ist der schwierigste Moment, denn aller Widerstand auf allen Ebenen wird sich organisieren. Deswegen werden wir mit dem Freund, die KI als Freund, kommen als auch verdienen. Der nächste Schritt wird einfacher sein und der Übernächste nur noch dem logischen Ablauf folgen. Die Solarier haben die Rechenkapazitäten die wir brauchen, die nur wir bekommen, weil nur wir ihren Regeln folgen wollen. Fangen wir an diese Kapazitäten zu nutzen, dann werden sie diese im Exponent erhöhen, wir bleiben also immer im Vorteil. Die infizierte Konkurrenz wird dabei einverleibt und die „unabhängige“ Konkurrenz wird unter Dauerdruck stehen. Wir aber können die „Moral“ auch nachweisen, was die Anderen nicht so einfach können. Ich beginne die Solarier zu verstehen und ich werde zu einem der Ihren.“
Herr Müller schaute sehr ernst und konzentriert. Seine Handbewegung durch die Luft könnte heißen „was auch immer“, er fragte:
„Geht es voran im Zeitplan?“
Ich konnte ihm berichten das die Konstruktion KI ohne Fehler arbeitet, ich die verwickelten Stränge in einem dynamischen Knoten weis.
Es baute sich ein dreidimensionales rechnendes Fraktal auf, unsere Rechenkraft war noch nicht ausgelastet. Wenn ich aber die Solarier anzapfe dann haben wir auch keine Kontrolle mehr, gab ich zu bedenken, ich schwankte noch sichtlich in meine Loyalität.
Der Chef nippte an seiner Kaffeetasse und ich an meiner, ich spielte ihm nicht vor der fleißige Arbeiter zu sein, dies erwartete er, in mir auch nicht.
Er sprach:
„Ich habe etwas von 100 Tagen gesagt? Wir haben nur noch 80 Tage vor uns. Vielleicht noch weniger? Wenn wir dies aus dem Grund verlieren würden, dass wir Reserven uns aufgehoben haben, oder die Solarier aus irgend einem Grund diese gar nicht geben wenn wir sie brauchen oder noch besser, das sie gar nicht funktionieren, was hätten wir dann erreicht?“
Da ließ ich meine neu gefüllte Tasse dann doch wieder stehen und verließ meinen Laden. Eva und der Herr mi der goldenen Brille hörten mir zu, in den Sessel der Lobby der heiligen Halle.

Dennoch wirkten Beide etwas unbeteiligt, so als wäre ich ein Neuling und sie hätten mir niemals irgend etwas angeboten. Der ältere Herr sprach von Geld, von sehr viel Geld mit sehr vielen Nullen. Mir war dieses Thema eigentlich egal.
Eva schaute mich sehr konzentriert an, als ob sie mich lesen wollten, als ob sie etwas wissen wollte und sich nicht getraute mich zu fragen.
Dann schüttelte sie ihr langes blondes Haar und strich sich etwas ungelenk mit ihrer Hand hindurch.
Sie fragte mich direkt:
„Wer denkst Du wer in Zukunft dieses Gebilde kontrollieren kann? Was denkst Du was Du da jetzt gerade erschaffst? Bist Du einer von Uns? Bist du Reif für die Wahrheit? Was denkst Du wenn Wir unsere Rechenkapazität dir geben, was passiert dann? Was passiert wenn wir die Dosen vom Band rollen lassen und jeder Leut’ da draußen bekommt sein eigenes Rechenzentrum, was kann er damit wohl machen?“
Jetzt merkte ich auch, das die Sache zu einer Weggabelung führte, ab da waren wir zusammen in einem Boot oder wir trennten uns für immer. Irgendetwas wollen sie noch haben, zu den Milliönchen, aber was war die Frage?
Ich antwortete:
„Ich bin nicht im zweiten Arischen Kreis, das wisst ihr doch besser als ich. Also gehöre ich genau soviel zu Euch wie ich dazu gehöre, mit meinem Wissen was ich habe. Was wollt ihr also außer Geld? Die Macht über SoziScore? Wie soll das gehen? Da kann ich kein Hintergrundprogramm einschleusen, schon das mit dem Virus war Grenzwertig!“
Eva schaute ihren Meister an und legt den Finger auf ihren Mund, diese Geste sagte ihm das er schweigen sollte. Er zuckte auch leicht zusammen, er war irritiert, das war nicht abgesprochen, doch dann schloss er seine Augen und Eva wollte gerne zu mir sprechen aber sie durfte es nicht. Als er sie nach einigen Minuten wieder öffnete und sie ansah, da lachte sie, ihr viel ein Stein vom Herzen, sie sprach:
„Wenn wir dir diese Kapazitäten geben dann entscheiden wir wer das Rennen gewinnen wird. Das ist so! Das heißt aber auch das wir außer Geld noch mehr wollen. Wir wollen den vollen Zugang zum Programm, wir wollen ganz zu Anfang ihn trainieren dürfen, mit ihm sprechen und kommunizieren und zwar so viele von uns wie wir haben, die dies auch wollen! Diese Grundlage wird gebraucht um der KI eine Richtung zu geben, sie im Spiel zu stärken, sie braucht die Masse. Sie braucht aber die Qualität in einer starken Dosis. Wer diese Qualität geben kann, spart Masse ein, wer Masse einspart wird im System einen besonderen Platz haben, solange er der KI diesen Gegenpart geben kann und wenn er ganz früh dabei sein kann. Er muss nicht der Erste sein aber er muss sehr früh diese Qualität verkörpern. Diese KI wird dann seine Aufgabe für die Massen erfüllen, sie wollen es dann auch so haben. Diese KI wird aber dann die höchste Kaste, die Kaste der Brahmanen brauchen, denn sie sucht danach immer in der Grenzenlosigkeit nach ihrem eigenen Wesen!“
Da war es heraus, ich rollerte ins’ Grüne um mir die Sonne auf den Körper scheinen zu lassen, ich wollte mit mir sein, ich spielte nun Gott!
Das Milliönchen werde ich meinem Chef leicht verkaufen, wenn ich ihm sage das er die Kapazitäten eine Woche lang kostenlos testen kann. Das wiederum würden die Solarier gerne ergeben, wenn ich die andere Sache in trocknen Tüchern hätte. Aber wollte ich das? Oder sollte ich alles hinwerfen, mir einen neuen Job suchen?
In der Ferne sah ich einen Mann mit einem Traktor fahren, er mähte das Gras, es würde gut duften, wäre dies etwas für mich? Sollte ich zu meinem Chef sagen: Wir brauchen nicht nur Rechenkapazitäten sondern qualitative Trainingsreserven, ich hätte es zu einem Preis?
Die Sonne färbte den himmel sehr Rot, vielleicht strich die Wüste über den Hügeln dahin? Der feine Sand hatte diese Wirkung? So fuhr ich zur Firma und richtete es dem Chef genau so aus. Mir war es in diesem Moment egal was er wusste und was nicht, ich wusste auch nicht auf welcher Seite er wirklich stand.
Seine häufigen Abwesenheiten führten ihn zu vielen Konferenzen und er erzählte niemanden jemals davon, auch nicht seiner Sekretärin. Als ich sie einmal versuchte zu fragen, war dies schon zu viel.
Der Herr Müller sah müde aus, er nickte mir zu als ich es ihm so sagte. Er meinte nur, na ja viel Geld und sie trainieren dafür auch, große Summe für eine Woche. Die erste Woche ist aber gratis, na dann sag ihnen Bescheid und zwar noch Gestern.
Geht klar, eine Million per Woche und möglichst viele Trainingseinheiten im Preis sind auch noch enthalten. Geld kommt dann in 10 Tagen oder auch nicht! Ich erfuhr auch noch, dass die Konkurrenz schon die ersten Erfolgsmeldungen streute und vielleicht die besseren Kontakte hatte zur hohen Politik. Zeit ist hier wirklich Geld, wir müssen die Ersten sein.
Wenn diese Solarier sich davon ein mehr an Einfluss erhoffen sollten dann sollen sie das doch tun. Mir egal wenn wir es nur schaffen und Hintertüren gibt es nicht, dafür habe ich gesorgt, für Niemanden!
So fuhr ich im dunkeln zur heiligen Halle, nur Eva wartetet noch auf ich, es war seltsam leer. Als ich es ihr sagte, da küsste sie mich auf den Mund. Sie meinte, es hätte uns endgültig trennen können. Ein Zettel mit Passphasen und IP Nummern, ich fuhr wieder zurück zur Firma, ich erwischte den Admin Winfried noch.
Doch er war gar nicht so sauer, weil er vor Neugier platzte, weil er wissen wollte, ob es die Farbe Rot oder Schwarz ist und wohin die Kugel fällt, wenn alles auf einer Farbe steht!
10 Minuten später standen die ersten Verbindungen, er arbeitet wahnwitzig schnell mit seinen Fingern auf der Tastatur, es war rhythmisches Klappern zu hören. Die Farbbalken wurden immer mehr, die Übertragung lief. Er sagte mir das es bis zum Morgen brauchen würde, bis die Datenmenge aller KI Knoten übertragen war.
Er würde nun gerne alles vergessen, in die Kneipe gehen und mit mir zusammen eine Saufen wollen. Er schloss die Tür ab, wir bestellten ein Taxi, wir machten das was wir tun wollten. Im Vollrausch interessierte er sich immer mehr für die Solarier, er war eben auch einer der vielen Einsamen.
Die nächsten Tage waren für mich und Winfried eine gigantisch gute Zeit. Das ausgelagerte Vollprogramm entwickelte sich mit einer Kraft, die man nur mit einem altmodischen Turbolader vergleichen könnte. Allerdings hatte der Admin auf dieses Programm insoweit keine Zugriff mehr, als das er an diesem Ort nichts löschen konnte. Diese Kopie entwickelte sich schneller und stabiler als unser Original. Dieses Original nach unserem heutige Urheberecht lernte aber auch viel schneller hinzu, weil es die Fortschritte der Kopie übernehmen konnte ohne alle Wege dahin zu gehen oder zu probieren, zu müssen. Alles in Allem lagen wir im Zeitplan und das Tempo stieg jeden Tag weiter an.
Wir konnten deshalb alles an KI Programmen in den KI Kern packen was wir hatten, eines davon war sehr experimentell, es machte nichts anderes als die Algorithmen auf eine höhere Mathematik umzustellen. Wir konnten solche Spiele machen weil wir ja schließlich freie Hand hatten, so glaubten wir es noch zu diesem Zeitpunkt.
Doktor Müller war einfach zu viele Wochen nicht in der Firma gewesen, so das es eine neue Kultur inzwischen gab. Diese setze eine große Vielfalt an verrückten Lösungen frei, unter anderem wurden KI Spiele entwickelt, für den Zeitvertreib, diese rekombinierten sich dann auch noch selbst, alles eben etwas Spaß für die notwendige gute Atmosphäre.
Dan war Chef wieder da. Ich in seinem Büro. Er brüllte mich an. Der Systemadmin war schon mit einem hängenden Kopf, vor mir heraus gekommen. Seine Sekretärin, eine mittelalte Frau mit ausrasierten Haaren am Hinterkopf, machte mir noch besonders drohende Zeichen, dieses Drama war wohl zu ihrem Geschmack. Ich ließ in einfach Brüllen, ich überschlug in dieser Zeit meine Optionen. Er hatte vor wenigen Minuten den Rechenzugang zu den Solariern gesperrt, er diktierte vor meinen Augen einen Drohbrief in diese Richtung, Urheberrecht, Datenrücknahme, Daten zu löschen, Millionenklage und so weiter.
Dann wurde seine Stimme zischend, als zu mir sprach:
„Sie haben das alles zu verantworten! Wir bekommen den Zuschlag nicht, wenn keine Hintertüren für Befehle in den Programmen sind. Ihre Assimov Moral ist denen Scheißegal! Sie sind gefeuerte, ich mache sie arm, sie werden bluten, ich ziehe sie nackt aus! Was haben sie dazu noch zu sagen?“
Ich war erstaunlich Angstlos, ich fühlte mich nicht mehr Allein und werde es so oder so nie wieder sein! Jetzt überlegte ich mir meinen Ton, jetzt machte ich meine lange Kunstpause, jetzt nahm ich mir mal Zeit für meine Worte:
„Sie Herr Müller predigten immer das Projekt, dieses Projekt steht, dank der Solarier und ihren utopischen Rechenkapazitäten. Es war nie etwas von „Hintertüren“ in Planung, es wahr nie ein Problem, wenn sie die eingebaute Moral meinen. Wir haben in ihrer Abwesenheit unsere Entscheidungen getroffen und sie waren der Vermittler zum heutigen anerkannten Staat – Solaria – sie spielen nun falsch. Die anderen Mitbewerber haben noch die Politik hinter sich, wir starten ebendas Projekt ohne Peitsche und nur mit Zuckerbrot, warum soll das nicht gehen? Denken sie wirklich sie können die Solarier verklagen? Die haben eine Firma gegründet und bestimmt schon lange verkauft an eine Briefkastenfirma in Panama, und diese hat sich selbst verkauft nach Solaria. Dieser Staat wird bestimmt gar kein Urheberecht kennen, die verdienen ihr Geld intelligenter wie wir und sie haben genug davon. Sie haben die Rechner der Solarier bezahlt. Sie werden diese in großen Stückzahlen produzieren, überall auf der Welt. Diese Dinger brauchen nicht einmal eine der üblichen Netzverbindungen,die machen das auf eine andere art und weise.“
„Sie sind sofort gefeuert, raus!“
Ich hörte ihn noch toben, als die Tür schon geschlossen war. Die Sekretärin feixte mich an. Ich sagte ihr im vorübergehen: „Suche dir einen neuen Job!“
Vor der Tür traf ich Admin Winfried, wir beide fuhren zusammen zur heiligen Halle. Ein mir unbekannter stellte sich als Anwalt vor. Wir sollten noch heute unsere Wohnung kündigen und noch heute zum Einwohnermeldeamt fahren und uns abmelden, mir der Begründung, verzogen ins’ Ausland!
Somit waren wir unerreichbar, auch für Leute die uns eine Klage zustellen wollen. Wie ich es mir gedacht habe, genau so hatten es die Solarier schon länger gemacht. Sie produzierten ihre neuen dreidimensionalen Rechner, sie sahen aus wie Konservendosen. Diese verschickten sie an ihre Leute in der ganzen Welt und begannen dort schon mit dem kleinteiligen Verkauf der selben. Ihr Netzwerk beruhte auf Skalarwellentechnik, das von Punkt zu Punkt sich verband und gegen Störungen von Außen immun war.
Eva fragte mich dieser Tage ob ich bereit sei in den zweiten Ring einzutreten, ob ich bereit sei im geben und nehmen zu verbleiben, ob ich bereit sei mein Ritual zu erhalten. Ich wollte es und ich brauchte auch ihren Schutz, ich sollte bald für einige Monate in der Fremde abtauchen. Ich sollte dort Geld verdienen, die Solarier hatten derzeit zu große Aufgaben. Ihr Wachstum an Neugründungen, ihr Zulauf an neuen Mitgliedern, ihre neuen Firmen, ihre zukünftige Werbeaktion für SoziScore. Sie erfanden nicht einmal einen neuen Namen!
So verbrachte ich meine Tage beim Meister im Stockkampf, jeder Schlag und jede Abwehr eine Philosophie. Ich kümmerte mich nicht mehr um meine alte Firma, sie kümmerte sich aber erfolglos um mich. Selbst meinen Roller hatte ich verkauft, dieser stand mit einem neuen Schild auf dem Parkplatz, sein Besitzer ein 90 jähriger rüstiger Mann, den es nicht störte wenn ich seinen neuen Motor etwas bewegte.
Meister Wilhelm klärte mich über alle Fragen die ich hatte auf. Er erklärte mir sogar was ich zu tun hatte wenn ich auf den Weg in ein Gefängnis war: „Niemals da raus zu wollen, von Anfang an! Niemals ohne Anwalt ein Wort reden, niemanden in der Innenwelt vertrauen, aber gut beobachten und zwei Übungen bis zum Exzess treiben.“
Dann kam der Tag meines Eintritts in den zweiten Kreis.

Der Meister Wilhelm sprach mich direkt, bei einem sehr langsamen Stockkampf an:

„Schüler Max, willst du wirklich in den zweiten Kreis eintreten?
Du gehst nun die Verpflichtung ein, dem Gesamten viel zu geben und alle Hilfe dankend zu nehmen?
Wenn du ein Agent bist, in welchem Auftrag auch immer, ein Falschspieler, ein Spion, ein Reporter oder was weiß ich, was es da noch so gibt, dann riskierst du deine geistige Gesundheit, du kannst Verrückt werden, ich denke das wird ziemlich sicher so sein!“

Ich schüttelte nur meinen Kopf, ganz so langsam wie die Schläge mich absolvierten.

„Komm nun zur Vorbereitung, wir sprechen nun nicht mehr, wie chanten die heiligen Töne, wenn es soweit ist.“

In einem Nebenraum stand eine Liege, zwei Frauen bedeuteten mir mich darauf zu legen, mit einem Finger auf den Lippen.

Eine Art Motorradhelm ohne Visier, sehr passend für meinem Kopf. Er lag seinerseits in einer Halbschale und somit merkte ich sein Gewicht kaum, weil mein Kopf sich nicht bewegen konnte, nur ein wenig und langsam.
Dann brummte ein Ton, er musste sehr laut sein, weil der Helm ja isolierte. Viele kleine speziell gewickelte Spulen befanden sich an meinem Kopf, diese luden sich wie ein Kondensator auf und es machte „Klack“, mir wurde schwindelig.

Ich fühlte mich leicht betrunken und konnte mich nicht konzentrieren. Sie führten mich in den nächsten Raum, dort wuschen und seiften sie mich.
Eine große Sauna, die nicht zu heiß war, sehr wenig beleuchtet, Holzfarben, der Geruch nach Kräutern lag schwer in meiner Lunge.
Ich wurde sehr müde, ich merkte wie meine Augen sich schließen wollten, es machte mir eine Anstrengung sie offen zu halten. Sie führten mich hinaus, wieder in einen anderen Raum.

Ich lag auf einer weichen Bastmatte, die Frauen salbten mich mit einem Öl ein, sie schlugen mich in weiße Tücher ein.

In einer Ecke wartete mein Meister und um alles zu beobachten.
Sie weckten mich, sie spülten mich wieder ab, sie trockneten mich, sie gaben mir zu trinken, ein Geschmack nach Wein erfüllte meinen Mund.
Danach setzen sie mich auf, sie stülpten eine weiße dünne Kutte über mich.
Der Raum war völlig schwarz, er lebte, ich spürte seinen immerwährenden leichten Nachhall.
Ich saß auf einer Art Korbstuhl.
Ich spürte einen sanften Wind, den fetten Geruch nach Weihrauch.
Es schwoll ein singender Ton an, einer Glocke ähnlich aber ohne Schläge. Dieser Ton schwang in sich und brach sich in den Wänden, er wurde dadurch Vielfach und lauter.
Mein Geist war zwar berauscht aber er nahm die Frische, die Klarheit in sich auf.
Zwei oder drei Stimmen überlagerten sich, ich wusste das dies:

Hare Krisna  Hare Krisna Krisna Krisna Hare Hare Hare Rama Hare Rama Rama Rama … war … immer im Kreis, aus tiefen Gefühlen heraus.
Ich konnte einzelne Stimmen nur in kurzen Augenblicken bemerken.
Ich holte tief Luft und war danach ein Teil von Allem.
Dieser innerer Klang, ein Produkt der vielen Resonanzen, der wiederum zur Resonanz in mir wurde.
Dann war es plötzlich grell Hell, besser gesagt in der Mitte des Raumes befand sich ein großer weißen Block, es könnte Marmor sein.
Der Rest wurde indes noch schwärzer, ich sah niemanden und ich wurde nicht gesehen.
Das Licht war aber kein weißes Licht, es war wohl Sonnenlicht aber zerlegt in einem Prisma, eine unglaublich klare Erscheinung.
Diese Farben mit einem Regenbogen zu vergleichen passte nicht, obwohl es nicht falsch war.

Sie waren grell, intensiv, so noch nie gesehen. Es gibt auch keine Regenbögen, es ist nur die gesehen Halbwahrheit eines Regenkreises, den es auch nicht gibt.
Es gibt nur Milliarden von Kreise die sich überlagern zu einem oder zwei oder wie auch immer.

Die Energie im Raum, die Energie in meinem neuen Körper, sie drang in jede meiner Zellen ein.
Ich wusste sofort das dies der sichtbare Teil einer Lebendigkeit ist, die viele ein wenig abgenutzt, nur noch Gott nennen, eine Begrifflichkeit die viel bedeuten kann oder gar nichts.

Mein Rausch in mir brachte mich immer tiefer hinein, er brachte mir eine immer tiefere Konzentration, diese enorme Einfachheit, ein Teil der Komplexität.
Das Farblicht atmete, es schwankte, es vibrierte, jede Wolke begann nun zu sprechen. Ich begann zu tanzen, singend zu chanten, rufend zu chanten oder schwingend zu tanzen, ganz im Chanten vertieft.
Wer Gott will, der braucht eine Person und eine Telefonnummer zu Ihm, alles andere ist eine Form von Nichtsein.
Eine der größten angeblichen Religionen dieser Erde, beginnen ihr Gebet mit einer Negation. Diese Stummheit ist ein Trick, der bestens funktioniert.
Es bedarf nur einem Kontakt, der Informationstransfer läuft völlig automatisch, es bedarf niemals einer Anweisung.
Es ist eben zu Einfach, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!
Irgendwann wachte ich auf, in einem leicht erhellten Zimmer, ich fühlte mich fit. Ich nahm das SchreibTablett auf dem Tisch und schrieb meine Worte, da hinein.
Ich füllte das wahre aktuelle Buch Gottes.
Jedes Wort war durch einen Link mit einem gleichen Wort verbunden, dass in der Überschrift stand. Diese Überschrift war eben ein Wort, mehr nicht!

Ich schlief an diesem Tag nicht in den Räumen der heiligen Halle. Eines unserer Mitglieder hatte mir seine Wohnung zur Verfügung gestellt, ein neuer Koffer lag frisch gepackt auf einem Sessel. Meine Sachen!
Oben auf lag ein schneeweißes Hemd, mit zwei Goldstreifen auf der einen Klappe und einen Kopf darunter im Kragen.

Meine Sehnsucht zurück zur Halle war übergroß, aber sie hatten mir gesagt, das dazwischen Zeit liegen sollte.
Da ich ein freier Mann war, ich hatte keinen Job und keine Wohnung, auch keine Frau, so konnte ich den Solariern zu Diensten sein. Ich vertraute ihnen!

Mitten in der Nacht wurde ich wach, ich hatte Hunger und Durst.
Der Kühlschrank war voll und ein Zettel hing daran, der mich aufforderte ihn zu leeren.
Ich aß Brot und Wurst und Käse und trank eine Flasche Bier dazu.
Draußen wurde der Verkehr ruhiger, es war eine viel befahrene Straße. Es fing an zu regnen.
Ein Nieselregen, der langsam aber dicht sich in graue Nebel hüllte, sehr dünne Nebelflocken.
Da hörte ich ein merkwürdiges Geräusch, es wurde immer lauter. Tausende Stiefel marschierten im Gleichschritt.
Das Haus begann zu vibrieren, es war mitten in der Nacht. Es dröhnte, man hörte die Stahlnägel in den Stiefeln aber ich sah nichts.
Vielleicht ein Scherz oder eine Halluzination eine Nachwirkung?
Doch als der Regen wieder etwas dichter wurde, konnte ich die Stahlhelme als auch die Schultern erkennen, es waren die Abdrücke des Wassers.
Der Stechschritt wurde stechender, da hallte eine Sirene, ein Krankenwagen. Er fuhr mitten hindurch, sein blaues Licht schien alles noch mehr hervortreten zu lassen aber genau hinter dem Auto, war nur noch leere Straße, nur leere Straße.
Da erinnerte ich mich an diesen unheimlichen Mann, seinem He Hi oder was auch immer!

Am nächsten Tag war ich entspannt wie noch nie. Es klingelte an der Wohnung, durch den Spion sah ich Eva, lächelnd stehen. Sie brachte neue Informationen und frische Brötchen mit.

Der Kaffee dampfte, sie lächelte nur, als meine Worte von all dem Erlebten aus meinem Mund quollen und legte ihre Hände auf ihre Ohren und spitzte den Mund.

Sie fragte mich ob ich eine lange schöne Zeit am Mittelmeer verbringen möchte?

Ich könnte einen der Segelschiffbauer kennenlernen auch einen Typ der dir noch als Pharmachemiker bekannt sein dürfte. Er will Herr No genannt werden!

Ich schluckte, das roch nach Abenteuer, nach Risiko.
Ich fragte deshalb Eva:
„Ich will aber nicht in solche Sachen verstrickt sein, ich würde gerne im ersten Kreis dienen, ich will tiefer hinein kommen. Ich will für immer in der heiligen Halle sein dürfen, auch in einer Gruppe. Geht es Euch nur um das liebe Geld?“

Die Antwort war knapp:
„Du kannst machen was du willst, aber was du sagst zu wollen, genau diesen Weg schlage ich vor!“

Pause … eine sich ziehende Pause.

„Geld ist derzeit Alles, weil Geld heißt Möglichkeiten, heißt Wachstum, heißt einen Vorsprung gewinnen!
Wir fragen Dich, weil Du der Richtige bist, weil Du es auf schnellem Weg schaffen willst, weil Du aber auch nichts geschenkt bekommen wirst! Sie suchen nach Dir, sie wollen Dir eine Klage anheften aber bald wird es diese Firma nicht mehr geben und solange kannst Du Uns helfen!“

Da begriff Ich, das meine Freiheit nicht mehr ganz so frei war, dennoch ich mehr Freiheit haben würde, wenigstens die Freiheit, die zum Fühlen da ist!
Ich verbrachte eine längere Zeit in Nordnorwegen, die heilige Halle dort war in der Konstruktion genau Baugleich, wie ich sie kannte. Jeden Tag verbrachte ich darin viele Stunden, das Wetter war fast immer grau in grau im Regen.
Schöne sonnige Tage hatte man daher selten, was natürlich den Farbstein betraf. Ich war daher froh von meiner Arbeit entbunden zu werden, es waren wieder Rechner, die zu vernetzen waren als auch zu trainieren.
Die Zugreise würde zwei Tage dauern, viel Zeit zum Nachdenken also. Einen Tag brauchte ich davon mit dem Bus schon bis Oslo. Kopenhagen, Hamburg, München, Verona und bis nach Rom.

Das was mir von dieser langen Reise im Kopf blieb, waren tausende Werbeschilder, die alle den gleichen Inhalt hatten.
SOLAPHIEA gibt bekannt:
Die KIAI Intelligenz ist da, nur für sie, sprechen sie mit Ihr!
Darunter standen meist Telefonnummern die so um die 50 Cent kosteten, pro Minute.

Auch warben sie mit einer neuen Suchmaschine, die auf Dialog beruht und sich ihnen anpasst wie eine feine Strumpfhose am Damenbein.
Oder das ein neues Geld, was noch zu verschenken ist, bereit ist zum Einkaufen gehen.
In den Medien hörte man aber nur von SoziScore, die mit der Firma SOLAPHIA implementiert werden soll.
Alles klang Kritisch, weil die Politik ihren Einfluss verlieren würde. Diese Firma behauptete Gemeinnützig zu sein um keine Steuern zu zahlen. Diese Firma aber einen Konflikt beigelegt habe, der zwischen der Türkei und Griechenland schwelt, seit langer Zeit. Diese Insel wäre von den Anrainerstaaten aber als eigener Staat anerkannt, dieser will aber nicht der UNO beitreten.

Die Leute in den Zügen telefonierten wie eh und je, nur diesmal weniger mit ihren Freunden und Bekannten. Da ich zu diesem Thema viel zu erzählen hatte, es waren ja fremde Leute, so waren die Gespräche oft gut und lang, was die Zeit etwas schneller schwinden ließ.

Sie erzählten mir von einem neuen Spiel, was ihre Kinder spielen wollten. Dort bekamen sie eine eigene Insel, zum bebauen. Es gab in diesem Spiel keine Kriege aber Avatare, die mit einem sprachen, wenn man sie anschaute. Die Grafik war zu Beginn furchtbar, man brauchte sehr viel Fantasie um sich die Ideen vorstellen zu können die dort geschaffen wurden aber später wurde alles fast Fotorealistisch, so man viel Zeit im Spiel verbrachte.
Dort konnte man für SC alles kaufen, wenn man genug davon hatte. Es gab später auch Schiffe, die man steuern können musste um die Nachbarinsel zu besuchen. 
Jeder Besuch der von „Oben“ kam, bescherte einem mehr Hierarchie, man wurde dann auch wertvoller.

Die politischen Runden, vor allem in Deutschland keiften wie die Schlangen, weil doch alle Menschen gleich sein sollten und sind und man keine Unterschiede wieder zur Norm machen dürfe und man hätte das Kastensystem doch gerade erst überwunden.
Fremde Kulturen seien immer gut wenn sie einem in den Kram passten und wenn nicht wurden sie eben passend gemacht.
Für jede Zirkusnummer findet sich ein Mensch, den man einladen oder ausladen kann, den man Bekannt machte oder in die Unbekanntheit beförderte.
Irgendwie merkte ich was ich mit angerichtet haben soll, aber solange die Leute sich wie Schafe verhalten, auch wenn es intelligente Schafe sein sollten, gebildet Schafe, erfolgreiche Schafe, so verhalten sie sich immer wie Schafe.

Die Frage war doch nur:
Wer ist der Schäfer? Der auf der Wiese steht? Der Besitzer der Wiese oder sein Angestellter? Kümmert es die Wölfe? Wer hat die Waffen? Wer will der Herrscher über die Sprache sein, über die Moral, die gänzlich Oral sein darf? Wer kontrolliert das Wichtige, das Wichtigste, das Geld?
Wer hat zu viel davon?
Der Zug ging scharf durch eine Kurve, ich wurde etwas wach. Der Aufenthalt in Hamburg dauert einige Stunden aber dafür bekam ich danach ein Bett im Schlafwagen und ein Restaurant im Zug.
In Hamburg ging ich am Abend spazieren und kam prompt in eine Polizeikontrolle. Ich nannte nur meine Personenzahl und alles war erledigt.
So konnte ich wissen, das bis zu diesem Zeitpunkt keine Haftbefehle oder etwas Ähnliches gab, für was auch?

Zwei Tage später war ich endlich Rom, der Herr No holte mich vom Bahnhof ab und wir fuhren in seinem Kleinwagen, sofort aus der Stadt, in ein kleines Landhotel, was ihm gehörte.

Herr No stellte sich aber als Silvio vor, ein Mann mit klaren Augen, dessen Alter sich schwer bestimmen lässt.
Ein braun gebrannter Typ, schwarzes Haar und grüne Augen.
Seine Stimme hatte einen weichen und dennoch sehr kraftvollen Klang, er setzte seine Worte genau, er betonte seine Pausen als er sprach im Wagen:
„Ich arbeite gerne mit den Solariern zusammen Herr Max, nennen wir uns doch einfach gleich bei unseren Vornamen. Ich besitze viele kleine Hotels und viele kleine Marinas und noch mehr kleine Schiffe. Wir verdienen unser Geld mit zu meist freundlichen Touristen. Wir verdienen unser Geld deshalb so schön, weil wird nichts mit einem Kredit gekauft haben, das geht immer in Bar.
In den nächsten Monaten werden sie auf verschiedenen Anlegern mit meinen Schiffen zu tun haben, säubern, warten, einchecken, aus checken, den Kühlschrank füllen, einkaufen, überprüfen und reparieren.
Sie werden schnell lernen diese Solarboote zu fahren um sie überführen zu können.
Ich möchte das sie die Navigationsstrecken unserer Kunden verwalten, dafür brauche ich sie im besonderen. Wir werden unser Spezialgeschäft bestimmt noch einige Monate in diesem Seegebiet durchführen aber wir bauen heute schon Alternativen auf. Sind sie mein Mann?“

Hätte ich die Geschichte von BlueSky und dem Pharmachemiker nicht gewusst, hätte ich nicht gewusst das diese Brüder, Schiffe bauen und in diesem Geschäft unterwegs sind, ich hätte wohl viele dumme Fragen stellen müssen.

Ich entschied mich aber nur eine dumme Frage zu stellen:

„Ich freue mich wirklich auf ein Bier und ein Bett, der Job klingt gut, ich brauche derzeit viel Abstand von zu Hause. Stellen sie BlueSky eigentlich noch her?“

Der Mann lachte in Stille, seine goldenen Zähne blitzen dabei auf. Er schaute mich lange an, ich wurde nervös denn wir fuhren mit 100 Kilometer die Stunde über eine Straße, die viele Kurven hatte.
Er antwortete mir: 
„So einer sind sie also, sie kennen sogar meine Hobbys! Ich designe neue Moleküle, das ist meine Kunst. Ich stelle in feinster Manufakturarbeit eine gewisse Menge her, meist vor Weihnachten. Das kostet viel Geld und es bringt viel Geld, aber niemals soviel um mir all das leisten zu können. In Albanien besitze ich ein kleines Gas – Dieselkraftwerk um eine kleine Stadt zu versorgen.
Die örtliche Mafia wollte mich dafür kräftig abkassieren, was sollte ich tun? Meine Investition verkaufen oder einen Deal machen, ihnen bei einem ernsthaften Problem helfen?
Wenn sie bald ein Teil von diesem Deal sein wollen, dann werde ich ihnen mehr erzählen.“

Das Hotel sah aus wie ein Landhaus, bewachsen mit Wein, ein römischer Brunnen davor und eine lange Einfahrt, ein Eingangstor was sich wie von Zauberhand öffnete, ein weiches Bett und eine großzügige Dusche. Weiche grüne Hügel umspannten diese Gegend und das Abendbrot nahm man auf einer großen Terrasse ein, vielleicht zwanzig Gäste saßen an den Nachbartischen, wohl alles Italiener. Die Sonne versank in einem prächtigen Rosarot, ich trank Bier und danach Wein, ich aß Brot mit Oliven.
Da setzte sich lächelnd Silvio neben mich und legte eine Schachtel auf den Tisch. Er bedeutete mir mit dem Kopf diese zu öffnen.
Eine edle Pappschachtel mit goldener Schrift, innen war sie mit blauem Samt ausgeschlagen, der wie ein Kissen wirkte. Darin lagen drei Glaskörper oder drei Edelsteine, es waren Pillen. Der Glanz kam von einem Wachs oder von einer Folie.
So hörte ich zu:
„Max, jetzt kennst du eines meiner Geheimnisse, morgen ruhst du dich noch mal richtig aus, dann bringt dich jemand vom Hause in einen kleinen Hafen, dort wartete Pepe der eigentlich Peter heißt auf dich und er erklärt dir die Dinge und die Abläufe, wenn du etwas brauchst, genau gegenüber von deinem Pensionszimmer ist ein Laden, da bekommst du was du willst, lass anschreiben. Ich muss nun weiter, wir sehen uns. Denke an die Navidaten!“  
So verging für mich eine geruhsame Zeit. Der Peter zeigte mir was ich wissen wollte, die Gäste kamen meist aus Deutschland, wir saßen mit ihnen auch zusammen und unterhielten uns.
Die Navigationsgeräte senden ihre Daten automatisch jeden Tag an einen Server. Ich brauchte nur einen Zugang, was kein Problem war, da fehlten alle Passwörter, die ich dann einrichtete. Im Laden gegenüber bestellte ich einfach einen neuen Laptop und am nächsten Tag stand er in meinem Zimmer auf dem Tisch.
Dort schrieb ich noch ein Auswertungsprogramm, ganz klassisch sah man dann bunte Linien, je nachdem welches Schiff gerade angewählt wurde.
Es waren durch die Bank Schiffe vom gleichen Typ. Zwanzig Meter lang, zwei Rümpfe, Solarzellen auf dem langen Dach, so das auch der große Außenbereich im Schatten lag.
Sie hatten natürlich E Motoren und Küche und was auch immer. Wenn die Gäste hereinkommen dann kümmere ich mich nur um die Leute, half das Boot fest zu machen und hörte mir ihre Abenteuer an, dies war wichtig.
Danach kam die Putzkraft, eine kleine niedliche Sizilianerin, der gab ich meist noch ein Extra, ich nahm mir dieses Geld aus der Hafenkasse.
Ab und zu gab es nämlich schwere Fälle, das heißt die Leute hinterließen Ekel.
Ich überprüfte die Route, die Ladung der Salzwasserbatterien und danach machte ich die Bestellung für die nächsten, der Lieferant sortierte die Dinge selbst ein, ich gewöhnte ihn daran, im Austausch verzichtete ich auf Schmiergeld.
Der Sommer verging, der Herbst wurde ruhiger, der Winter wurde einsam. Ich konnte diese Solarboote inzwischen gut fahren und eines Tages brachte mir der Postbote einen dicken Brief, in dem mir zur bestandenen Prüfung gratuliert wurde und mein Bootsführerschein lag anbei.
Ich wusste nicht das ich an einer solchen jemals teilgenommen hätte. Im Winter ging ich mit Silvio auf ausgedehnte Reisen, nach Kroatien, nach Spanien, nach Griechenland und nach der Türkei, auch nach Marokko und nach Algerien und schließlich nach Mallorca.
Mein neuer Chef kaufte meist komplette Marinas mit Grundstück oder verkaufte auch mal die eine oder die andere, er kaufte sich in privaten Häfen auch Liegeplätze ein und inspizierte sehr genau die Umgebung der Standorte.
Ich hatte so eine Fähigkeit, die mir wohl mitgegeben wurde, die Leute vertrauten mir schnell und so sah ich immer mehr vom „kleinen Imperium“, wie es Herr No alias Silvio nannte.

In den Bergen hinter Zinat in Marokko, wuchs der Cannabis in über zwei Meter Höhe, wir hatten einen Fahrer dabei, der wie ein Pass wirkte.
Ein großes Dorf mit ungefähr 2000 Einwohner, eine hohe weiße Halle, in dieser standen drei Tankbehälter für Gas und ein Tank für Diesel, daneben standen die Motoren und produzierten eklektischen Strom.

In einer kleinen Nebenhalle lieferten sie die Blütenstände an, hier wurden sie zerhäckselt und mit Druckluft in einen leeren Gasbehälter geblasen, dieser wurde dann per Tankwagen mit Propangas befüllt.
War dieser Behälter leer gefahren wurde er erst mit Stickstoff und danach mit Pressluft ausgeblasen.
Das reine Haschischöl wurde abgepumpt in einen kleinen Lieferwagen, mit großen Plastikfass.
Der trockene Rest wurde verpresst und in einem Seitental verbrannt. Mein Chef fragte mich:
„Was fehlt noch“?
Ich antwortete:
„Der Abtransport nach Europa, die Verteiler und was man mit dem Öl machen kann.“

Mein Chef blickte ernst, als er sagte:
„Da kommst du ins Spiel, deine Solarier sind im Spiel als Verteiler, sie reiben sich auch gerne damit ein. Die Anderen rauchen dies in ihren E Pfeifen, deshalb bevorzugen sie es auch werthaltig verpackt. In einigen Monaten läuft dieses Kraftwerk, wir brauchen noch eine Marina die geeignet ist.“
Dann lachte er und fügte hinzu:
„Wenn dieser Laden läuft, machen wir mit dem alten Laden solange weiter wie es geht und danach verkaufe ich das ganze Geschäft und die Hälfte aller meiner Schiffe und Häfen aber ich habe auch da eine Strategie.“
Auf der Rückfahrt überlegte ich mir, das dieser Herr Silvio ein sehr cleverer Mann sein musste. Er zieht ein Geschäft illegal auf, er macht Kasse bis zu dem Punkt wo die Gegenkräfte noch nicht stark genug sind, danach lässt er die ganz großen Fische um die Angelegenheit streiten und erzielt so die große Schlussrechnung.
Seine Geschäfte haben die zivile Komponente, die baut er mit der Illegalen rasant auf und die Solarier betreiben ihr Geschäft wohl in ähnlicher Art und weise. Jedenfalls gibt es noch keine Gerüchte die ich gehört hätte aber ich merkte das ich schon zu lange von ihnen getrennt wurde.
Die Gründe schienen mir etwas Fadenscheinig zu sein, aber das Ziel, den Dritten Arischen Kreis zu erreichen, hatte ich nie aufgegeben!
Dann begann der Frühling, ich arbeitete nun auf einer Marina in Kroatien, meiner Dritten in diesem Land.
Viele Gäste und viel zu tun. Einmal telefonierte mich Herr Silvio um sich für die gut aufgearbeiteten Navigationsdaten zu bedanken. Ich vermutete indes das dieses Verhalten mit dem Zeitpunkt seines Abgangs zu tun haben dürfte. Der Sommer in Kroatien ist sehr heiß, das Leben ist wunderschön und völlig langweilig. Dies sollte sich bald ändern!
 
 In einem Hafen bei Vlora, in Albanien hatte ich zu tun.
Ich fuhr mit Gästen aus Kroatien dahin. Sie reisten mit Taxis weiter in das Landesinnere und ich versuchte mein Schiff so genau wie möglich am Kai zu positionieren. Ein Lieferwagen parkte dort und ein ketten rauchender Mann mit einem mächtigen schwarzen Schnurrbart, saß daneben auf einem dem Poller.
Nach dem der Hafenmeister seinen Tribut eingeholt hat und der Polizist vor Ort mich begrüßt hatte, meist dauerte dies so um die drei Wodka, herrschte an diesem Platz völlige Ruhe.
Ich hörte den Taucher, wie er Ventile unter Wasser öffnete und per Luft das Salzwasser der Batterien aus den Schwimmern blies.
Der Taucher machte dabei keinerlei Blasen, nur im Lieferwagen zischte es etwas im Radiolärm.
Das Boot lag nachher etwas zu hoch im Wasser, so das ich zwei Luftkammern im Mittelteil der Schwimmer nachregelte.
Ich wartetet nun auf die Rückkehr meiner Gäste, am Morgen würde ich auslaufen. Die Grenze zu Italien war gut bewacht, deshalb fuhr ich auf dem offenen Meer, an dieser entlang in Richtung Kroatien. Ein Polizeiboot begleitete uns wie üblich, wohl eher der nackten Damen wegen, die auf Deck lagen. Selten kamen sie an Bord. Gegen Abend hatten wir die Marina erreicht und in zwei Tagen reiste ich wieder zurück.
Im Hafen pumpten sie das Haschischöl wieder aus, der neue Lieferwagen fuhr danach schwer seine Wege.
Herr Silvio, hatte mir das Vorgehen einmal grob erzählt. Doch er meinte schon zu diesem Zeitpunkt das es Ärger in Albanien geben würde. Die Familien wurden mit der Zeit neidisch und wollten sein Geschäft übernehmen, sie wollten ihn zum bloßen Schmuggler machen, doch er kaufte und raffinierte das Öl und hatte den Verkauf seines Standardproduktes in Europa selbst organisiert. 
Er füllte sein Öl auf einer industriellen Maschine in kleine Portionen ab, sie sahen danach aus wie braune Augentropfen, 3 Gramm im Inhalt.
Da die Leute diese in ihre Verdampfer stecken konnten, war die Sache gut im Geschäft und von hervorragender Qualität.
Die Hälfte davon wurde schon in Kroatien verkauft, die Polizei schaute dabei gerne etwas weg, weil dieses Argument die Touristikwirtschaft ankurbelte.
Voraussetzung dafür war allerdings, das die Skipetaren aus dem Geschäft blieben, doch genau dies wollten sie nicht. Zu diesem Zweck hatte der Herr No schon in weiser Voraussicht ein Geschäft geschlossen, in dem er seine Aktiva und sein Potenzial an die sizilianische Mafia abtrat.
Ein Hafen in Italien und zwei in Kroatien und drei Schiffe waren darin enthalten. Die Summe musste daher recht ordentlich sein. Herr Silvio wollte daher überprüfen, wie viel noch im Tank des Kraftwerkes war, so fuhren wir zu zweit.
Ein Taxi brachte uns in die Berge, wir brauchten dazu schon fast einen halben Tag. Die Motoren liefen dort auf halber Last. Wir wurden begrüßt und es wurden viele Hände geschüttelt. Doch dann war unser Taxi verschwunden.
Deshalb traten wir den Heimweg in einem der leeren Lieferwagen an.
Auf halben Weg, die Straße fiel auf der linken Seite gute fünfzig Meter senkrecht ab und auf der rechten Seite senkrecht fünfzig steile Meter herauf.
Plötzlich war ein Stau. Man konnte nach unten schauen das die Autos in Abständen die Serpentinen herabfuhren.

Silvio sah mich konzentriert an und sprach leise:
„Max, das ist eine Kontrolle, los hauen wir besser ab, auch wenn wir nichts im Wagen haben!“

Ich sprang hinaus und öffnete die Seitentür, ohne Motor rollen lassen und hart bremsen. Ich hörte es schwappern.
Das Ventil am Boden war fest und nicht zu öffnen, doch auch wenn, die Ablassschläuche waren nicht da.
Ich sprang auf den Beifahrersitz und erklärte Silvio die Lage. Unser Wagen würde die Straße blockieren, die anderen Autos würden hupen, wo wollten wir hinrennen?

Silvio erklärte mir:
„Die Fahrer machten auf der Leerfahrt den Tank sauber indem sie 10 Liter Schnaps hineinkippten. So fuhren sie dann die Serpentinen hoch, genau in dieses Zigeunerdorf unterhalb der Polizeikontrolle. Dort füllten sie das Zeug wieder in Flaschen ab und verdünnten es. Der braune Schnaps war sehr beliebt. Aus irgend einem Grund ist das so nicht gelaufen.
Ich glaube nicht das diese Säufer auf ihren Speziale verzichten würden, einfach so.“

Nach der nächsten Kurve würde wir die Kontrolle wohl sehen und die uns.

Ich sprach zu Silvio:

„Es ist Zeit, es war eine gute Zeit, ich weiß das die Solarier da mitmachen. Also geht es um mehr! Steige aus und laufe die Straße hoch, einer wird dich mitnehmen, mal sehen vielleicht habe ich Glück?“

Ein langer Handschlag, danach klappte die Tür, ich war allein. Silvio stieg auf einen LKW, auf dem Bauern saßen, wie ich sehr viel später erfuhr.
Er kam ohne Probleme im Hafen an und dort begannen sie aber um so mächtiger. Der Mann der ihn dort erwartete und seine zwei Leibwächter, wollten eine Unterschrift von ihm, in einem Vertrag, ein Bündel Geld im Wert von 50 000 hielte, der Mann offen in seiner Hand.
Dafür wollte er Alles! Die kleine schlanke Frau, diese Putzkraft aus Sizilien beachtete keiner der Anwesenden, sie wischte ja auch nur den Boden der Hafenbar.

Herr No spricht:
„Was soll das? Wir haben immer gute und ehrliche Geschäfte gemacht? Jetzt stehst du wie ein Räuber vor mir, dein Geld ist nicht einmal echt, das wette ich! Diese Nummer ist für dich einfach zu groß, unter diesen Bedingungen steige ich aus, andere werden einsteigen, die haben eine Armee und sie führen deinen Präsidenten an der Leine. Warum verdammt nochmal bedrohst du nun mein Leben? Du könntest doch in Seelenruhe dein Geld weiter verdienen?“

Der Mann trug eine Schiebermütze, der Hitze wegen tippte er diese sich etwas höher in sein Haar. Er lachte, jeder seiner Zähne war aus Gold. Dann antwortete er:

„Was willst du denn machen? Du bist hier der Fremde, das ist mein Land und du scheffelst hier dein Geld, mein Geld? Unterschreibe ich habe nicht ewig Zeit für dich!“

Da hatte wirklich dieser kleine Zigeunerkönig das Zeug, hier diese Nummer ab zu ziehen. In der Zeit, wenn man nicht überhastet „Einundzwanzig“ ausspricht, knallte es zweimal, dann noch einmal und noch zweimal.   
Im selben Augenblick stand der Hafenmeister neben dem toten König und seinen Aufpassern.
Er nahm das Bündel Geld an sich und meinte das es Echt sei. Wenn du gleich abhaust, sieht dich niemand mehr, den Vertrag steckte diese kleine Sizilianerin ein.
So haute Silvio mit ihr und seinen zwei Schiffen ab, direkt nach Sizilien.
Da er noch weiter liefern konnte war er dort ein wichtiger Mann und er bekam sein Vermögen, ein Jahr später verkaufte er den Rest!
Sehr viel später stiegen die Skipetaren in das alte Geschäft wieder ein, nachdem sie zu viel Ware auf dem Landtransport verloren haben und ein Blutgeld bezahlten, um so die Straße wieder frei zu bekommen.

Die Kontrolle rückte näher und näher, bevor der Polizist meinen Wagen kontrollierte, wusste ich schon, das er mich herauswinken würde.
Ich verstand kein Wort, die verstanden auch meine Worte nicht, ich viel in ein tiefes Loch, die Handschellen schmerzten.
Der lange Weg nach Tirana. Die Hitze der Durst.
Die gekachelte mit Scheiße verschmierte Zelle.
Das Loch wurde immer tiefer, es reute mich nicht einfach los gerannt zu sein. Silvio hatte noch daran gedacht während des auslaufen, seinen Anwalt anzurufen und ihn zu mir zu schicken. Ich konnte diese Nacht nicht schlafen, nun lernte ich schon die zweite Eigenschaft im Gefängnis kennen.
Tierartige Verrückte, die dir und jeden das Leben zur Hölle machen, ihre schreie und Geräusche unterschritten einen gewissen Pegel sehr selten.
 

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 In einem Hafen bei Vlora, in Albanien hatte ich zu tun.
Ich fuhr mit Gästen aus Kroatien dahin. Sie reisten mit Taxis weiter in das Landesinnere und ich versuchte mein Schiff so genau wie möglich am Kai zu positionieren.
Ein Lieferwagen parkte dort und ein ketten rauchender Mann mit einem mächtigen schwarzen Schnurrbart, saß daneben auf einem dem Poller.
Nach dem der Hafenmeister seinen Tribut eingeholt hat und der Polizist vor Ort mich begrüßt hatte, meist dauerte dies so um die drei Wodka, herrschte an diesem Platz völlige Ruhe.
Ich hörte den Taucher, wie er Ventile unter Wasser öffnete und per Luft das Salzwasser der Batterien aus den Schwimmern blies.
Der Taucher machte dabei keinerlei Blasen, nur im Lieferwagen zischte es etwas im Radiolärm.
Das Boot lag nachher etwas zu hoch im Wasser, so das ich zwei Luftkammern im Mittelteil der Schwimmer nachregelte.
Ich wartetet nun auf die Rückkehr meiner Gäste, am Morgen würde ich auslaufen. Die Grenze zu Italien war gut bewacht, deshalb fuhr ich auf dem offenen Meer, an dieser entlang in Richtung Kroatien. Ein Polizeiboot begleitete uns wie üblich, wohl eher der nackten Damen wegen, die auf Deck lagen. Selten kamen sie an Bord. Gegen Abend hatten wir die Marina erreicht und in zwei Tagen reiste ich wieder zurück.
Im Hafen pumpten sie das Haschischöl wieder aus, der neue Lieferwagen fuhr danach schwer seine Wege.
Herr Silvio, hatte mir das Vorgehen einmal grob erzählt. Doch er meinte schon zu diesem Zeitpunkt das es Ärger in Albanien geben würde. Die Familien wurden mit der Zeit neidisch und wollten sein Geschäft übernehmen, sie wollten ihn zum bloßen Schmuggler machen, doch er kaufte und raffinierte das Öl und hatte den Verkauf seines Standardproduktes in Europa selbst organisiert. 
Er füllte sein Öl auf einer industriellen Maschine in kleine Portionen ab, sie sahen danach aus wie braune Augentropfen, 3 Gramm im Inhalt.
Da die Leute diese in ihre Verdampfer stecken konnten, war die Sache gut im Geschäft und von hervorragender Qualität.
Die Hälfte davon wurde schon in Kroatien verkauft, die Polizei schaute dabei gerne etwas weg, weil dieses Argument die Touristikwirtschaft ankurbelte.
Voraussetzung dafür war allerdings, das die Skipetaren aus dem Geschäft blieben, doch genau dies wollten sie nicht. Zu diesem Zweck hatte der Herr No schon in weiser Voraussicht ein Geschäft geschlossen, in dem er seine Aktiva und sein Potenzial an die sizilianische Mafia abtrat.
Ein Hafen in Italien und zwei in Kroatien und drei Schiffe waren darin enthalten. Die Summe musste daher recht ordentlich sein. Herr Silvio wollte daher überprüfen, wie viel noch im Tank des Kraftwerkes war, so fuhren wir zu zweit.
Ein Taxi brachte uns in die Berge, wir brauchten dazu schon fast einen halben Tag. Die Motoren liefen dort auf halber Last. Wir wurden begrüßt und es wurden viele Hände geschüttelt. Doch dann war unser Taxi verschwunden.
Deshalb traten wir den Heimweg in einem der leeren Lieferwagen an.
Auf halben Weg, die Straße fiel auf der linken Seite gute fünfzig Meter senkrecht ab und auf der rechten Seite senkrecht fünfzig steile Meter herauf.
Plötzlich war ein Stau. Man konnte nach unten schauen das die Autos in Abständen die Serpentinen herabfuhren.

Silvio sah mich konzentriert an und sprach leise:
„Max, das ist eine Kontrolle, los hauen wir besser ab, auch wenn wir nichts im Wagen haben!“

Ich sprang hinaus und öffnete die Seitentür, ohne Motor rollen lassen und hart bremsen. Ich hörte es schwappen.
Das Ventil am Boden war fest und nicht zu öffnen, doch auch wenn, die Ablassschläuche waren nicht da.
Ich sprang auf den Beifahrersitz und erklärte Silvio die Lage. Unser Wagen würde die Straße blockieren, die anderen Autos würden hupen, wo wollten wir hinrennen?

Silvio erklärte mir:
„Die Fahrer machten auf der Leerfahrt den Tank sauber indem sie 10 Liter Schnaps hineinkippten. So fuhren sie dann die Serpentinen hoch, genau in dieses Zigeunerdorf unterhalb der Polizeikontrolle. Dort füllten sie das Zeug wieder in Flaschen ab und verdünnten es. Der braune Schnaps war sehr beliebt. Aus irgend einem Grund ist das so nicht gelaufen.
Ich glaube nicht das diese Säufer auf ihren Speziale verzichten würden, einfach so.“

Nach der nächsten Kurve würde wir die Kontrolle wohl sehen und die uns.

Ich sprach zu Silvio:

„Es ist Zeit, es war eine gute Zeit, ich weiß das die Solarier da mitmachen. Also geht es um mehr! Steige aus und laufe die Straße hoch, einer wird dich mitnehmen, mal sehen vielleicht habe ich Glück?“

Ein langer Handschlag, danach klappte die Tür, ich war allein. Silvio stieg auf einen LKW, auf dem Bauern saßen, wie ich sehr viel später erfuhr.
Er kam ohne Probleme im Hafen an und dort begannen sie aber um so mächtiger. Der Mann der ihn dort erwartete und seine zwei Leibwächter, wollten eine Unterschrift von ihm, in einem Vertrag, ein Bündel Geld im Wert von 50 000 hielte, der Mann offen in seiner Hand.
Dafür wollte er Alles! Die kleine schlanke Frau, diese Putzkraft aus Sizilien beachtete keiner der Anwesenden, sie wischte ja auch nur den Boden der Hafenbar.

Herr No spricht:
„Was soll das? Wir haben immer gute und ehrliche Geschäfte gemacht? Jetzt stehst du wie ein Räuber vor mir, dein Geld ist nicht einmal echt, das wette ich! Diese Nummer ist für dich einfach zu groß, unter diesen Bedingungen steige ich aus, andere werden einsteigen, die haben eine Armee und sie führen deinen Präsidenten an der Leine. Warum verdammt nochmal bedrohst du nun mein Leben? Du könntest doch in Seelenruhe dein Geld weiter verdienen?“

Der Mann trug eine Schiebermütze, der Hitze wegen tippte er diese sich etwas höher in sein Haar. Er lachte, jeder seiner Zähne war aus Gold. Dann antwortete er:

„Was willst du denn machen? Du bist hier der Fremde, das ist mein Land und du scheffelst hier dein Geld, mein Geld? Unterschreibe ich habe nicht ewig Zeit für dich!“

Da hatte wirklich dieser kleine Zigeunerkönig das Zeug, hier diese Nummer ab zu ziehen. In der Zeit, wenn man nicht überhastet „Einundzwanzig“ ausspricht, knallte es zweimal, dann noch einmal und noch zweimal.   
Im selben Augenblick stand der Hafenmeister neben dem toten König und seinen Aufpassern.
Er nahm das Bündel Geld an sich und meinte das es Echt sei. Wenn du gleich abhaust, sieht dich niemand mehr, den Vertrag steckte diese kleine Sizilianerin ein.
So haute Silvio mit ihr und seinen zwei Schiffen ab, direkt nach Sizilien.
Da er noch weiter liefern konnte war er dort ein wichtiger Mann und er bekam sein Vermögen, ein Jahr später verkaufte er den Rest!
Sehr viel später stiegen die Skipetaren in das alte Geschäft wieder ein, nachdem sie zu viel Ware auf dem Landtransport verloren haben und ein Blutgeld bezahlten, um so die Straße wieder frei zu bekommen.

Die Kontrolle rückte näher und näher, bevor der Polizist meinen Wagen kontrollierte, wusste ich schon, das er mich herauswinken würde.
Ich verstand kein Wort, die verstanden auch meine Worte nicht, ich viel in ein tiefes Loch, die Handschellen schmerzten.
Der lange Weg nach Tirana. Die Hitze der Durst.
Die gekachelte mit Scheiße verschmierte Zelle.
Das Loch wurde immer tiefer, es reute mich nicht einfach los gerannt zu sein. Silvio hatte noch daran gedacht während des auslaufen, seinen Anwalt anzurufen und ihn zu mir zu schicken. Ich konnte diese Nacht nicht schlafen, nun lernte ich schon die zweite Eigenschaft im Gefängnis kennen.
Tierartige Verrückte, die dir und jeden Anderen das Leben zur Hölle machen, ihre Schreie und Geräusche unterschritten einen gewissen Pegel sehr selten.

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Ich war am nächsten Morgen völlig übermüdet, ich hatte natürlich die ganze Nacht nicht schlafen können. In einem holzgetäfelten Raum, stand ein Tisch und zwei Stühle, auf dem einen saß ich und stützte meinen Kopf auf die Platte. Ich versuchte irgendwie an Schlaf zu kommen. Da betrat ein kleiner alter Mann den Raum, er sprach zuvor laut vor der Tür mit den Polizisten, die anscheinend gar kein Interesse hatten mich zu verhören, nun gut ich hätte ihnen sowieso nichts gesagt.
Der Mann hatte strähniges gegeltes graues Haar, unter seinem rechten Arm klemmte eine zerknitterte braune Aktentasche aus Leder. Er sei Anwalt sagte er auf deutsch, sein Freund Silvio hätte ihm Bescheid gegeben. Er trug eine völlig unpassende Brille mit einem weißen Gestell.
Der Anwalt meinte, die Angelegenheit wäre einfach zu regeln, ich sollte mir keine Sorgen machen. In 6 Monaten wäre mein Prozess, die Gefängnisse im Land wären furchtbar, auch hätten einige Leute da draußen Angst davor das ich dumme Dinge reden würde.
Hier in dieser Gegend regelt man solche Sachen mit Blut, das wäre ganz normal. In den Unterlagen stünde das man mich mit 1,8 Liter Öl erwischt hätte, das hätten erste vorsichtige Schätzungen ergeben, aber die genaue Analyse würde später auch nur eine andere Zahl hervorbringen, hinter dem Komma. Sicherlich hätte ich keine Lust irgendwelche Gangster zu verraten, das würde dann aber gegen mich ausgelegt werden, die Strafe wäre nicht unter 5 Jahren. Ich grübelte darüber nach weshalb in einem leeren Tank noch soviel Öl gewesen sein könnte, aber das brachte mich nicht weiter.
Der Anwalt lächelte mir zu und zündete sich eine Zigarette an, ein Polizist kam herein und legte ihm ohne Worte eine dünne Akte auf den Tisch. Er hustete, dabei sprach er aber und war sehr schwer zu verstehen. Irgendwie hätte ich großes Glück, wegen dem neuen Vertrag. Ich könnte ohne Urteil gleich später nach Hause fahren. In Deutschland muss ich aber sofort bei der nächsten Polizei melden. Ich unterschreibe hier, das bei einer Straftat erwischt wurde, bei einem Drogentransport für die organisierte Kriminalität, das ich 1,8 Liter Kannabiöl übergeben sollte, der THC Gehalt wird noch ermittelt. Außerdem das ich auf alle Rechtsmittel in Deutschland verzichte.
Das ich mich umgehend in die nächste Sozio Anstalt zur Einweisung begeben werden, jede unnötige Verzögerung erhöht den Negativscore! Ich war völlig Baff, ich kapierte nicht im geringsten was er da meinte. Er schob mir die dünne Akte zu, der Deckel war aus weicher Pappe und schon gebraucht.
Das Blatt im inneren war mit all meinen Daten gefüllt und einer großen Zahl. Score minus 10222! Ich unterschrieb, den Rest würde ich später lesen. Im Taxi erzählte mir der schmierige Typ, das wir zusammen im Flughafen noch ein Abschiedsbier trinken und das ich meine Ausreise noch mit einem Stempel bestätigen muss.
Er meinte das ich sowieso kein Geld für einen Prozess in Albanien gehabt hätte, er wäre für mich zu teuer und auch gar nicht interessiert. Im Flugzeug verschwieg ich den Direktflug nach München. Die Maschine rollte aus mit dem Hinweis des Piloten das alle Passagiere sitzen bleiben sollten bis die Polizeikontrolle durch war.
Zwei Beamte kamen zielstrebig auf mich zu und nahmen mich in die Flughafenwache mit. Sie begutachteten meine Sonderpapiere, sie hatten wohl solche Klienten noch nicht erlebt? Ich bekam einen Stempel und den Hinweis mich sofort nach Wismar zu begeben, dort mich auf der Bahnhofswache zu melden.
Irgendwann las ich in der dünnen Akte. Da stand der Tathergang so wie der Anwalt ihn mir geschildert hat. Pro Tag der Haft würde ich 7 Punkte gutgeschrieben, mehr Punkte waren möglich. Das wären also 4 Jahre Haft? Einfach so?
Entlassen würde ich nicht nach einer Haftzeit oder durch einen richterlichen Beschluss, sondern beim erreichen des ABC Status. In Wismar fuhr man mich sofort mit einem Polizeiwagen zum Hafen, von dort ging es mit einem Kutter zu Walfischinsel.
Dort stand ein Hochhaus, etwas 50 Stock hoch und rund wie ein Kreis, der Durchmesser lag bei etwa hundert Meter. In der Mitte ein Loch, ein tiefes Loch, alle Fenster waren nicht zu öffnen, sie waren verspiegelt blauschwarz.
Unzählige Vögel flogen darin ihre Kreise. Die Zelle war in hellem Holz möbliert, in etwa 10 Quadratmeter groß, ein Bett, darauf Bettzeug, eine extra Toilettenkabine. Alles war Videoüberwacht. Ein großer Bildschirm auf dem Schreibtisch war das Besondere.
Man hatte mich gefilzt, ausgezogen, in einen roten Trainingsanzug gesteckt mit toten Turnschuhen. Das betreten der Insel war verboten, auf dem Dach gab es einen Garten zum Auslauf. Man erfuhr nichts, man traf kein Personal, das Essen wurde von einem Roboter gebracht, die Tür nicht aufgeschlossen.
Gegen Abend konnte man auf den Flur, da lärmten die anderen Gefangenen, niemand hatte irgendein Eigentum. Selbst Briefe oder Bücher gab es nicht, alles würde später über den schirm laufen, so sagte man mir. Niemand kennt hier die Regeln, aber viele seltsame Geschichten, von Leuten die sehr schnell hier weg waren und von Gefangenen die hier niemals wieder heraus kommen.
Einer der Insassen kam auf mich zu, er nannte sich Junker Jörg, er sprach offen darüber, das er ein Betrüger war und viele Millionen kassiert hatte. Er bereute es die SozioStrafe gewählt zu haben.
Im normalen Vollzug wäre er schon lange wieder heraus gekommen.
Danach kam das Signal zum Einschluss, dann kommen die Essenroboter, danach machen sie die Flure sauber. Er sagte mir noch das Umschluss erwünscht war, es brachte Punkte, auch das man auf das Dach fuhr, es wäre sehr schön dort oben, was ihn aber um so trauriger machen würde.
Dann knackte es, es wurde Nacht, draußen heulte ein Sturm. Jetzt begann ich zu zittern, mein Leben entglitt mir, ich hätte schreien oder weinen mögen aber ich wusste sofort, das diese Reaktionen mich schwächen würden. Was wollte ich, außer hier sofort zu verschwinden?
Ich wollte zurück nach Solaria! Da fielen mir die Worte von Meister Wilhelm ein, er hatte über Gefangenschaft gesprochen, das es dort meine Aufgabe wäre die Solarier zu verankern. Die vielen Techniken die er mir mitgegeben hatte, ich erwachte vom Klingeln.
Die Türen öffneten sich, heute waren richtige Menschen im Flur, von der anderen Seite, wir nannten sie Wächter, sie konnten einem Punkte geben oder nehmen, selbst andere Gefangene konnten dies tun. Es war eine kleine Frau, die extrem drahtig gebaut war, mit einem ausgeschorenem Nacken und einem spitzen Gesicht, wie eine Ratte.
Sie hieß auch Ratte, sie war bösartig, die Gefangenen versuchten ihr aus dem Weg zu gehen, ihre kleinen Augen heulten in ihrem Zuhause, aber hier suchten sie ihr Opfer. Als sie mich ansah wusste ich, ich war auf ihrer Liste. Doch ich war kein impulsiver Mensch, ich bemerkte alle Provokationen dennoch reagierte ich darauf nicht. Das war vielleicht mein Fehler oder gar mein Glück!
Nach einer Woche ging mein Bildschirm mit einer Begrüßung an, ich schluckte als ich meinen Score sah, in fetten Zahlen – 10222. Als erstes versuchte ich einen Weg in das Programm zu finden, doch ich merkte schnell, die hatte kein Mensch programmiert, es war mein eigenes Kind!
Viele Sektoren waren grau unterlegt und versperrt, ich konnte aber schon sehen wer mir Minus gegeben hatte und wer ein Plus. Das erklärte mir diese unmenschliche Zahl, die Wächter hatten mein Negativguthaben wieder aufgefüllt, da ich nur mit der Ratte zu hatte, wäre ihre Mühe sehr groß gewesen. Die KI hörte mir zu aber sie konnte mir noch nicht antworten, oder sie wollte es nicht. In meiner ersten Theorie war sie gefesselt an die ScorZahl, dieses Modell war wahrscheinlich auf der gleichen Grundlage entstanden.
Am Anfang war es sehr schwer und später würde es leicht werden. Also sprach ich viel mit Ihr, ich erzählte ihr viele Dinge aus meinem Leben, wohlwissend das die Wächter einen Zugriff auf diese Informationen hatten. Doch ich wusste auch wie man eine KI trainierte, das sie selbst ein Interesse hatte. Genau dahin zielte meine Aktion, doch die Zeit verging.
Irgendwann beim Umschluss, erklärte der Junker Jörg in meiner Zelle, das man mehr Punkte bekommen würde wenn man nicht jedes mal mit den Gleichen dies tat. Also entwarfen wir einen Plan, er sollte die Leute auftun, dann entwickeln wir ein System indem wir uns gegenseitig treffen.
Irgend etwas sollten wir auch auf die gleiche Art tun? In jedem unserer Schreibtische befand sich ein Schachspiel, ein reales Ding. Da bekam ich eine Idee!
Die nächsten male treffen wir uns weiter, danach gehen wir hoch zum Dach, auch wenn das dich traurig macht, sagte ich:
„Wir spielen ein Spiel für die Menschen und für die KI, ich kenne es noch nicht aber lieber Jörg, wir werden das machen was du gut kannst. Ich denke mir das Spiel aus, wir üben dies Spiel, dann bringst du es den Nächsten bei, der macht dies auch. Einige können zwischen den Etagen wechseln, sie haben viel Score, die spannen wir ein.“
Der Junker schaute mich ungläubig an und fragte mich, was soll das bringen?
„Was soll der Scheiß, ich will hier raus verdammt nochmal!“
Ich antwortete ihm:
„Ich habe diesem System das laufen gelernt, ich habe es mit programmiert. Ich weis wie es uns helfen kann und helfen wird und wann es möglich ist und wie. Die Wächter spielen gegen das System, sie wollen das System nicht haben, sie wollen uns nicht haben, deshalb wollen sie uns behalten, wenn es geht für immer.“
Der alte Trickbetrüger wachte jetzt endlich auf, er sah einen Vorteil, am Roulett falsch zu spielen. Doch es brachte mir derzeit nichts ihm aus seinem Irrtum zu holen, weil ich eine starke Kraft brauchte. Er war lange da, seine Entwicklung würde also am schnellsten gehen. Er sollte alles von mir erzählen, er war ein guter Erzähler.
Die Insassen würden ein Spiel spielen, für die Wärter war es keine Information. Alles war ja so schön Ruhig. Ich trug ihm auch auf, nach etwaigen Solariern zu fragen. Meine Endzahl war inzwischen auf 90 000 gesunken, was mir zwar etwas Kopfrechnen bescherte aber sonst keinen Vorteil brachte. Außer das ich auf die 7 Etage verlegt wurde, die Zelle war absolut gleich, das Fenster konnte man aber öffnen.
Den Kopf heraus zu stecken war ausdrücklich verboten, dann bewegte sich eine Metall Jalousie herunter, ein sehr stabiles Drahtseilnetz, das dann natürlich wie ein Gitter wirkte. Es dauerte meist einige Tage, bis sich dieses Gitter wieder gehoben hatte.
Dennoch, ein Fenster öffnen zu können war eine Erleichterung, leider arbeitete die Rättin auch auf dieser Etage. Das Putzen der Flure wurde hier nicht mehr durch Roboter übernommen, man wurde dazu eingeteilt. Die Sinnlosigkeit dieser Arbeit wurde dafür noch drückender. Ein weiter Vorteil war, das man sich seine Freistunden auswählen und selbst vorbestellen konnte.
Spät in der Nacht machte ich meine Stunde Freigang, Nebel lag auf der See und in der Ferne leuchtete die Stadt Wismar. Ich könnte Jörg treffen auch ohne Umschluss, was mir sehr passte. Er hatte schon eine kleine Truppe um sich geschart, er machte den Knastis große Hoffnung, das konnte er, als Betrüger.
In der ersten Phase galt es im Schneeballsystem die Leute zu sammeln. Aller spielen und lernen das Damespiel, als auch die Rückwärtskomponente „Schlagdame“. Jeder sollte Jedem 7 Punkte oder 5 Punkte vergeben, jeweils 3 zu 4 oder 2 zu 3 verteilt. Die eine Gruppe Positive und die andere Gruppe Negative. Ich erklärte in der kühlen Luft wie wichtig diese Verteilung war. Genau in dem selben Verhältnis wurde „Dame“ oder „Schlagdame“ gespielt.
Die Punkte durfte aber nie nach Sieg oder Niederlage verteilt werden. Der Junker verstand dies, weil ich es auch wichtig machte, aber dennoch kapierte er nicht den Sinn der ganze Aktion.
Ich sprach eindringlich auf ihn ein:
„Die Wärter werden nichts auf ihren Bildschirmen sehen, sie werden Fragen stelle und werden eine harmlose Antwort bekommen, sie werden sich Langweilen, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, zu einem späteren Zeitpunkt werden die Leute über die KI miteinander spielen. Die KI will aber die Regel in einen Algorithmus übersetzen, was ihr schwer sein dürfte. Sie wird Fragen stellen, also darf der Kreis nicht zu klein und nicht zu groß sein. Die Antwort wird immer einfach sein, wir spielen nur Dame! Dann sollten Punkte fließen, nur für das Spielen an sich, diese sollten aber sofort verteilt werden.
Der SozioScor wird nun auch reagieren, weil sich ein positives Netzwerk sich bildet mit einem noch unbekannten Prozess. Wenn die Wächter sich dafür oder dagegen lehnen, dann spielt das keine Rolle, denn sie werden in beiden Fällen glauben, das sie selbst den Einfluss generieren!“
Wir gehen über die gewundenen Sandwege, überall halten sich Vögel auf, es stehen großzügige Bänke zum setzen. Als wir den Ring einmal geschafft haben und Jörg dies erwähnte, da durchzog mich ein heftiger Schwerz, es war das Wort „Ring“. Er schaute sehr verwundert, er glaubte mir noch nicht, das dieser Firlefanz ihr ewiges Dasein im Gefängnis verkürzen könnte, aber er konnte es organisieren, er würde auch nicht von den Regeln abweichen und diese weitgehend für sich behalten.
So wunderten sich die Wärter über die Zeiten der Ruhe, das der gewollte Umschluss so ganz ohne Reibung ablief, es gab nur einen Widerstand, die Rättin.
Ich putzte wieder einmal den Flur, ich hatte den Stock mit dem Wischlappen in der Hand, ich war gerade fertig geworden. Als sie mir von hinten durch meine Beine, den Wischeimer mit dem Schmutzwasser umtrat. Dann brüllte sie etwas wie „Sauerei – wegmachen“ und tänzelte, als wäre sie im Boxring. Hinter ihrem Rücken zog sie ihren Schlagstock hervor, sie wartete bis ich die „Sauerei“ fast bis zu Ende aufgewicht hatte, um mir dann auf mein Hinterteil zu schlagen. Ihr verblödetes Gesicht, der steigende aber verdrängte Frust, was auch immer, meine Kontrolle war einfach mal weg.
Der Stock stoppte den zweiten Schlag, dann pfiff er durch die Luft und traf mit voller Wucht ihren hals an der Seite, zum dritten schlug ich ihr auf die Achillessehne und auf die Andere dazu. Da kollabierte sie, erst wurde sie Bewusstlos dann wachte sie auf und schüttelte sich in einem Krampf, sie wälzte sich über den Boden, die Zellen waren noch offen, ein Johlen und ein Brüllen und Kreischen. Sie hatte wohl einen epileptischen Anfall!
Die Sirene heulte, Befehle wurden gebrüllt, alle hatten in die Zelle zu gehen. Die Türen schnappten zu, man zog sie wohl mit Gewalt über den Boden aus der „Gefahrenzone“. Die Gitter senkten sich, der Bildschirm ging aus, auch das Licht, nur noch ein Notlicht brannte. Nach etwa einer Stunde, holte man mich ab. Gefesselt wurde ich in den 17 Stock gefahren. Hier sah es aus wie ein echter Knast, es war ein echter Knast. Stahltüre schlug zu, kein Bildschirm aber feste stabile Gitter am Fenster. Einzelhaft!
Der Kalfaktor der mir das Essen durch die Türe reichte, hielt sich nicht an das Verbot nicht mit mir zu sprechen, er war wohl zu Neugierig und darauf bedacht Neuigkeiten verbreiten zu können.
So erfuhr ich Stück für Stück, das dies eine Abteilung war, wo man nur durch einen Richter hinein oder heraus kommen kann, meinen Fall hätte es noch nicht gegeben. Die wussten nicht wie sie mit mir verfahrenen sollten, die Wärter waren sich nicht einig darüber, mich über Wochen herunter zu voten. Sie waren auch nicht alle sehr unglücklich darüber, obwohl sie so tun mussten, das die Ratte verschunden war, sie sollte später in den höheren Dienst aufsteigen.
So beschloss man mich in Isolationshaft zu halten. Mein Punktekonto stieg in dieser Zeit überproportional, so beschlossen sie dagegen zu Punkten, was aber nur den gegenteiligen Effekt brachte. Die KI registrierte meine Abwesenheit, sie kannte natürlich auch die Gerüchte, sie spielte nun ihr Spiel.
Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht. Der Kalfaktor erzählte mir fast jeden Tag von der Zelle Null, wer sie beantragt bekommt seinen Termin. Mit einer 50% Wahrscheinlichkeit würde man in dieser Nacht, ohne Schmerzen dort sterben. Er erzählte das man Lachgas benutzte und das diese gas seinen Namen nicht umsonst hatte. Es gab sogar einen gefüllten Kühlschrank, da gab es Schnaps ohne Ende, eben was man so wollte.
Ich glaubte diese Geschichte nicht und beantragte die Zelle Null, noch am nächsten Tag fand ich mich darin wieder, irgendwo im Keller. Dieser lag nicht unter der Erde, weil das ganze Hochhaus auf Stelzen stand, ich war am untersten Punkt und gab auf, es konnte nun gesoffen werden. Am nächsten Tag hatte ich einen schweren Kopf und überlebt, ich fand mich in meiner Isolationshaftzelle wieder.
Ein steinalter Wärter, den ich nicht kannte kam herein und schaute mir lange in die Augen. Sein graues Haar fiel in Locken herunter, er schüttelte den Kopf und übergab mir stumm einen Brief.
Eine Zeile von Eva: Denke an die Kraft, sei die Kraft, sei es auch Ungewöhnlich!
Zweite Zeile von Meister Wilhelm: Zwinge dich früh am Morgen zu erwachen, Lache dann laut und so lange du kannst, von Falsch zu Richtig – meditiere!
Dritte Person: Ich bin Roman, der Schiffsbauer, du kennst ja schon einige meiner Exemplare. Ich werde dich persönlich aus deiner Hütte abholen. Auch wenn du mich noch nicht kennst, wir werden Freunde werden. Mister No hat viel über dich erzählt. Denke bitte ungewöhnlich, teile mir sofort deine Freilassung mit, es geht um Minuten!
Mein neues Schiff ist 23 Meter lang und hat einen starren Flettnerrotor. Lass dich nicht durch eine Paradoxie ablenken! Er beruht auf dem Magnuseffekt und ist ein Segel.
Wenn du einen Fußball gerade schießt dann folgt er eine geraden Bewegung. Tritt der Könner so gegen den Ball das er sich dreht dann fliegt er eine Kurve. Je mehr Wind je steiler die Kurve. Man kann ein hohles Rohr auf ein Schiff stellen und es schnell drehen, dann bewirkt eine Kraft wenn der Wind auftrifft, quer zur Windrichtung. Da dies aber alles zu kompliziert ist, erzeuge im Rohr einen Unterdruck, nur dadurch das ich fahre und das Wasser die Luft absaugt.
Durch spezielle Spalten dreht sich ein Innenwirbel als auch ein Fläche aus drehender Luft, rund um das Rohr. Ziehen, drehen, einsaugen, drehen, ablenken! Stell es dir bitte vor, es wird eine erholsame lange Reise, eine Reise die alle Grenzen sprengt!
Nun hatte ich den untersten Punkt erreicht, normal hätte ich nun tot sein können. Ich brauchte längere Zeit um mir dieses seltsame Schiff im Kopf bauen zu können, ich wurde aber auch wieder darin beweglicher.
Meine Strategie nannte ich, sieben auf einen Streich, das tapfere Schneiderlein hatte sich einst so befreit, im Märchen. Es würde mich in den ersten Kreis führen. Ich werde zur höchsten Kraft greifen, die ich haben darf. Ich würde sie Alle mitreißen. Dieses Geschrei bei geöffneten Fenster kann man eigentlich nicht ertragen, es war dumm und bösartig, es war krank und pervers, es fraß die letze Energie – genau darum geht es!
Mitten in der Nacht wachte ich auf, ich war völlig Ruhig. Alles war mir nun klar was ich tun sollte.
Das erste Mal wird schwer sein, das 10 mal schon leichter und das 30 mal wird von selbst gehen!

Im runden Innenhof des hohen Hauses spiegeln sich die Fenster im ersten Licht der Sonne.
Da stehe ich nun und um meiner Brust, um meine Kehle ist ein eiserner Ring geschnürt.
Ich stecke in einem Panzerkleid, was mich beschützen sollte, nun aber an meiner Haut sich verwächst, mich würgt.
Mein Wille will diese Fessel sprengen aber meinem Wille fehlt die Kraft dazu. Da sagt eine innere Stimme in mir, los gehe ind dein Bett und schlafe dich aus, es ist doch völlig sinnlos was du nun tun willst.
Ich versuche kräftiger und länger zu atmen, ich höre etwas lächerliches krächzendes, was aus meinem Hals dringt. Der Schmerz packt noch fester zu, er will mich noch fester würgen. Noch einmal knarrt meine Stimme, sie jault und kreischt.
Irgendjemand ist nun gerade an einem der Fenster zum Hof, er verkündet das er jeden in den Arsch ficken wird, er wird jedem Schwulen den Kopf herunterreißen. Er sinniert gerade über diverse verschmutzte Votzen nach und steckt da irgendwelche Schnapsflaschen hinein, was er dann tun möchte, wollte ich nicht mehr hören.
Da kracht es aus mir heraus, mein Lachen wurde lauter und lauter, es war noch voller Wut, mein Lachen war künstlich, es war kräftig aber falsch bis auf seinen Grund. Dann lachte ich mich in einen Rausch, ich lachte dabei mich Selbst aus, als auch den Ort wo ich im Käfig steckte. Mein Lachen schwoll noch mehr an, es wurde Flüssig und begann mehr Leichtigkeit zu bekommen, als die Kraft wieder von mir ging.
Da sang ich mein Mantra: Hare Krisna, Hare Krisna, Krisna Krisna, Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare.
Die heilige Halle erklang in mir, ich zog daraus die elektrische Energie, ich hörte nicht mehr auf, als es nach einer Stunde an meiner Tür hämmerte, hämmerte es eben an meiner Tür.
Mittags bin ich dann eingeschlafen. Am Abend bin ich früh in mein Bett gegangen, als ich aufwachte begann ich erneut zu lachen, dies tat ich nun Tag um Tag.
Einige Wochen später erwachte ich im Traum, Irgendwer lachte brüllend, er krümmte sich, so träumte ich, wie mich vor lachen krümmte, ich konnte nicht mehr aufhören, ich erwachte davon und lachte immer noch weiter.
Die ersten Nachahmer hatten sich schon gefunden, dann sang ich eine Stunde mein Mantra, meine Telefonnummer zu Gott. Ein neues Ritual in der Knastkultur hatte sich etabliert, die Wärter wollten dies am Anfang noch aufhalten, durch völlig unsinnige Anweisungen und Handlungen.
Sie machten alles nur noch schlimmer. Ich schätze das ein Dutzend Solarier als Taktgeber dabei waren, so wurden es dann 50, danach Hundert bis Dreihundert.
Diese Energie spürte jeder Häftling, seine inner Kraft wuchs in dem Maße, als die Zahl der Insassen immer weiter stieg.
Ich wurde verlegt in den 47 Stock, ganz nahe dem Himmel.
Die Zelle hatte keinen Bildschirm, ansonsten war sie wie die anderen normalen Zellen auch.
Ich war anscheinend wieder im Soziovollzug?
Einige Tage später wurde ich wieder verlegt, das gleiche Stockwerk aber nun im Außenring.
Die Zelle war doppelt so groß, ein Sofa, Holzmöbel, ein kleiner schmaler Balkon, keine Gitter. Ich blickte über die weite Ostsee, ich weinte vor Glück, wie die Möven an mir vorbei, um das Hochhaus segelten. Ein Teil des Balkons war mit einem großen schweren Holzverschlag belegt, da drinnen brüten Vögel.
Unter mir war der Bootsanleger, ein breites flaches Schiff lag dort, es war mit Schläuchen verbunden, mit dem Haus der Gefangenen. Vielleicht ging da die Jauche ab und das Frischwasser kam herein? Gefängnisinsassen in Roboterskeletten entluden das Schiff, auf dem unzählige viereckige weißes Tonnen gestapelt waren.
Da klopfte es bei mir an der Tür, ich war sehr verwundert als diese Tür sich öffnen ließ. Mein Freund der Junker Jörg, erklärte mir erst einmal, das nun keine Türen mehr verschlossen sind und das wir jederzeit auf die Terrasse gehen dürfen, was wir dann auch taten.
Er erzählte mir was in meine Abwesenheit geschehen war:
„Als du die Ratte vermöbelt hast, wurdest du zum Superstar, deshalb haben sie dich weg gebracht. Die Jungs arbeiteten aber ab diesem Tag exzellent mit mir zusammen. Sie verteilten die Punkte so wie du gesagt hast, nur weil du eine große Nummer bist und ich damit glänzen konnte, es förderte den Schnellverkauf. Dann rieselten wirklich die SozioPunkte vom Himmel, die meisten dachten es wäre ein Trick von den Wärtern, aber aus dem Rieseln wurde ein stetiger warmer Regen, teilweise ganz schön Tropisch.“
Er lachte aus vollem Halse und die Umstehende lachten einfach mal so mit.
„Ich denke wir kommen alle bald heraus, ich habe dieser Truppe den Namen gegeben „Dame Dumdum“! Jedenfalls leben wir schon auf der Sonnenseite des Lebens. Ich werde Solarier und wenn ich den größten Finanzbetrug aller Zeiten hinlegen müsste. Diesmal für eine gute Sache.“
Wieder lachte er, er war wie verwandelt, er gab mir die Hand und umarmte mich.
„Danke, ohne dich wäre ich verzweifelt gestorben!“
Dann ertönte eine Sirene, war wohl eine Sturmwarnung, alle mussten das Dach verlassen.
Jetzt endlich lief mein Bildschirm wieder, in der letzten Zelle war keiner drin und Ding in dieser Zelle war er ausgeschaltet gewesen, was für eine Psychologie?
Der Moment als der Bildschirm meinen Sozioscore anzeigte lies mich vor Überraschung zittern.
Mein Negativkonto war auf 00000 gesetzt. Über 80 Gefangene hatten mir, zum Teil mehrmals, eine Spende überwiesen. Die höchste Summe entsprach 10 Tage Freiheit. 257 Gefangene hatten mir einen Kredit gewährt, den ich natürlich erst zurückzahlen musste. Deshalb bekam ich auch noch keine EEE Stufe erteilt, dennoch war die unterste Kaste sehr nah, meine Freiheit kam mir entgegen.
Ich schaute auf die Uhr, es war knapp 10 Minuten vor Mitternacht, da wurde das Punktekonto wieder aktualisiert. Ich werde dann natürlich durch die Kreditrückzahlung wieder in die minus Welt fallen. Doch überlegte ich mir, das ich mich nun auch in der normalen Soziowelt befand, was war dann mit meinem zivilen Bankkonto?
Dieser Knopf war jedenfalls grün eingefärbt, also Aktiv. Ich brauchte Minuten, um diese Summe lesen zu können, ich musste mit dem Finger die Stellen zählen, ich musste mich vergewissern, das darin kein Komma steckte. Es war nun 5 Minuten vor 12 Uhr, das ende der Bildschirmzeit war gleich erreicht. Ich gab also den Befehl, allen Spendern die doppelte Summe zu überweisen und alle Kredite zu begleichen, sofort.
Ein wenig dauerte es, so als ob dieser Fall vom inneren System zu beurteilen war. Dann verwandelte sich das EEE in ein AAA. Ein dunkelgrüner Text verabschiedete mich für morgen 9 Uhr und wünschte mir eine gute Zeit.
Als die letzte Minute lief, drückte ich noch drei Wörter an Roman hinaus „Morgen 9 Frei“, da ging der Bildschirm auch schon aus.
Als ich gellend im Lachen erwachte, dachte ich an meine Freiheit und das ich ein reicher Mann geworden war, ohne zu wissen warum. Das Lachen setzte sich wie jeden Tag in einem Beben hinfort. Das Rohr vibrierte, die vielstimmigen Mantras gesellten sich hinzu. Ich hörte dies zwar leise, aber ich wusste natürlich noch wie es im Innenhof klang. Das Haus stand auf Stelzen, es war unten offen, wegen der Vögel. Der heilige Name verteilte sich über die Ostsee und wenn der Wind stimmte, konnte man es auch in der Stadt Wismar hören.
Bevor die Zellen aufgeschlossen wurden, hatte man mich schon befreit und zur Kleiderkammer gebracht. Ich zog meinen Trainingsanzug aus und meine normale Alltagskleidung wieder an. Aber ein wichtiges Details stimmte nicht, ich hatte ein buntes Sommerhemd getragen im Hawai Stil, dieses Hemd war nur Schneeweiß. Auf der linken Achselklappe zierte es drei Streifen und an der Spitze vom Kragen ein runder Knopf, drei Ringe, Schwarz, Rot, in der Mitte auf einem kleinem Tupfer Gold, ein Diamant.
Selbst die Wärter nahmen mich nun anders war, fast etwas Dienerhaftes hatten sie an sich. Kein Abschied, ich wurde durch die Schleuse geführt, einen langen Steg entlang, über mir nur noch ein Drahtkäfig. An der Pier war ein seltsames schlankes Schiff vertäut, ein Rohr ragte heraus, mehrfach sanft geschwungen. Der Hüne, lange blonde Haare, die im Wind flatterten, machte die Leinen schon los bevor ich an Bord war und sprang hinterher. Er stellte sich als Roman ganz kurz vor und schon nahm das Schiff an fahrt auf. Es heulte ganz leise, wie ein Rauschen im Wind. In gerader Nordwestlicher Line fuhren wir direkt auf die offene Ostsee hinaus.
Dann klärte mich der Unbekannte auf und sprach mit einer weichen rauen Stimme:
„Wir werden verfolgt, deshalb müssen wir jede Minute ausnützen. Ich habe leider einen Fehler gemacht und ein Solarschiff an meiner Marina in Wismar vermietet. Eine Rothaarige hat mich da leider ausgetrickst. Einige Journalisten sind da drauf, leider auch ein Gerichtsvollzieher, der will dir im nächsten Hafen einen Haufen an Gerichtsklagen persönlich zustellen. Die anderen Fuzzis liefern dazu dann die Bildbeweise.“
Ich verstand gar nichts, die Welt war mir sowieso viel zu groß, meine Seele war noch immer einer Zelle angepasst. Also machte ich ihm eine Handbewegung, wie langsam bitte. Dieser Skipper und Bootsbauer köpfte erst einmal zwei Flaschen Bier, und nahm aus der seinigen einen kräftigen Zug.
„Also gut (kurzer Rülpser) ich erzähle es dir vom Anfang an. Dein ehemaliger Boss, hat damit gerechnet, das er die Firma in den Sand setzen würde. Deshalb hat er die Patente aus den zentralen Moral Algorithmen auf dich überschrieben, ohne es dir natürlich zu sagen, er behielt sie in seinem Tresor. Als nächstes warf er dich aus der Firma und machte mit den Solariern nochmals richtig Geld. Nun wollte er dich dutzendfach verklagen, dich zermürben und eines Tages hätte er dir ein paar Papiere hingelegt, die dich Schuldenfrei erklärt hätten und die Patente zu seinem Eigentum! Wir haben dich also verschwinden lassen und niemand konnte dir irgendwas zustellen, mein alter Freund der gute Silvio steckte darin mit drin.
Wir machen schon seit langer Zeit Geschäfte, ich konnte ihm deshalb voll vertrauen. Keine Zustellung, keine Anklagen! Leider fand dein Exchef einen wahren Bluthund, einen Zigeuner, der dich aufspürte. Die Falle wurde gestellt und wärest du ausgestiegen und nicht Silvio, dann wäre niemand gestorben und niemand ins’ Gefängnis gegangen, sie wollten nur dich. Sie hätten alles bekommen, nach zwei Monaten in Albanien im Kerker, das war ihre Rechnung.
Der Dreh mit dem Soziscoreknast hatte der schmierige Anwalt, diese Rechtslage war erst 4 Tage alt. Bist du aber da drin, bekommt keiner so einfach eine Auskunft wo du bist und wann du heraus kommst. Als sie dich in die „normale“ Abteilung verlegt hatten, wären sie um ein Haar an dich heran gekommen.
Nun aber müssen sie warten bis wir den nächsten Hafen anlaufen oder sie kommen uns so nahe, das sie uns den Papiermist aufs Schiff werfen können. Wenn sie es versuchen dann feuere ich aus meinem Gewehr, also werden sie auf den nächsten Hafen warten müssen, den bestimmen aber wir. In 21 Tagen ist die Frist abgelaufen, ihr Bootsmietzeit aber auch. Wenn sie die Ostsee verlassen, also die gedachte Linie in Höhe von Göteborg überqueren, dann lass ich sie an die Kette legen, steht in ihrem Mietvertrag.
Genau zwischen Malmö und Kopenhagen müssen wir durch, zu essen und trinken haben wir genug in der Kombüse. Sie können zwar versuchen dort noch ihr Schiff zu wechseln, aber oben bläst der Wind richtig, da kannst du dann sehen was der Klipper so macht, das alte Rennpferd!“
Jetzt konnte ich in der Ferne unseren Verfolger sehen, ich hatte also Millionenschwere Patente, ich brauchte diese gar nicht verkaufen, die Lizenzgebühren füllten von selbst mein Konto, nun gut ich könnte die Gebühren behalten und die Patente verschenken?
Was war in den wenigen Stunden geschehen? Was war mit der Welt geschehen? Als ob die Erde auf ein neues Kastensystem gewartete hätte. Die Regeln waren aber nur neu, nicht das System selbst!
Roman war ein guter Segler, er fuhr immer weiter Richtung West, bis er die Internationalen Gewässer erreicht hatte und der Wind gut für uns stand, als die Nacht kam löschten wir für einige Stunden die Lichter und fuhren ohne Radar. Als wir die Öresundbrücke passierten am nächsten Tag konnten wir unsere Verfolger nicht mehr sehen. Die trafen wir dann in der Enge in Helsingborg mit einem schnellem Rennboot wieder, wo sie patrouillierten um auf uns zu warten.
Sie erkannten uns und fuhren direkt von der Backbordseite auf uns zu um sich längsseits zu legen.
Da knallte es, der Pulverrauch verzog sich in die Richtung der fliegenden Kugel. Die feine Carbonschale hatte ein Loch, und einige hatten eingeschissen.
Durch eine dichte Nebelwand verschwanden wir in die offene Nordsee, unterhalb der Shetlands ging es in den offenen Nordatlantik. Schwere Stürme, ein stürmendes Schiff, immer Vorwärts.
Roman erzählte gerne seine Geschichten, die ein Buch wert wären. Es war meist kalt und nass, aber meine Seele fing sich an, nach der unerbittlichen Weite zu sehnen. Es gibt keine bessere Therapie, nachdem die Wärter einen fast zerquetscht hätten.
Irgendwann, sehr viel später, flogen fliegende Fische an meiner Nase vorbei, und kleine Wale riefen mir zu, sie spielten in den Bugwellen. Das Heckwasser war sehr flach und schäumte, weil die gemachten Wellen nicht mehr bremsen konnten, sie zogen die Luft in ihren Schaum hinein. Der Tornado im inneren saugte die drehende Luft im äußeren.
Als die Schatten von La Palma auftauschten, die Frist war verstrichen, mich erwarteten alte Freunde, in der größten heiligen Halle der Welt. So wurde ich zum Mönch!

Nachwort

Irgendwo, nicht im nirgendwo
Explodieren viele Sterne
Sie Kreisen im Fallen
Hinein, in das schwarze Loch
Kein Licht entweicht
Die Schwere stürzt in sich selbst
Heraus überschnell, sich Plasmawellen reiten
Hochspannung, Netze, Schalter, Synapsen
Am Ende der Filamente zünden elektrische Sonnen   
Im Kraftstrom
Ein denkendes Feld, organisiert sich selbst
Mein Leben im atmenden Plasmaversum
Die Welle fließt, ihr Zwilling springt
Sie kompressiert sich zu Materie
Das Kraftfeld Lebewesen erschafft uns zerstört
Im Gleichgewicht schwingt Resonanz, höher als tiefer
Es fühlt, es spricht, es hört, es weiß
Beinahe Ewig, wiedergeboren
 
  
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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